Chronik | Burgenland
05.12.2011

Güssing: Auf in die neue Energiezukunft

Die Region soll energieautark werden. Das Wissen des Zentrums für Erneuerbare Energie ist weltweit stark gefragt.

Der weltweite Trend zur Erneuerbaren Energie, vor allem nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima, beschert dem Zentrum für Erneuerbare Energie in Güssing gewaltige Impulse. Dort arbeitet man auf verschiedenen Ebenen, um sowohl im nationalen wie auch internationalen Bereich die Entwicklung weg von den fossilen Energieträgern anzukurbeln.

Der Bogen reicht dabei von der Versorgung der 15 Gemeinden des Ökoenergielandes im Bezirk Güssing mit Fernwärme aus Biogas oder Biogas selbst bis hin zur Entwicklung von Haushalten, die nicht nur energieautark sind, sondern die auch Energie in die Netze einspeisen können.

"Wir wollen erreichen, dass wir ab 2015 im Ökoenergieland energieautonom sind", erklärt Reinhard Koch vom Zentrum für Erneuerbare Energie in Güssing (EEE). Und zwar in allen Bereichen. Nicht nur bei der Wärme- sondern auch bei der Treibstoffversorgung.

Ausgangspunkt dabei ist das Holzgas aus dem Güsssinger Biomassekraftwerk. Dieses Holzgas wird entweder zu synthetischem Methangas weiterverarbeitet oder zu Treibstoffen. Aktuell ist man etwa dabei, für eine Luftlinie synthetisches Kerosin zu entwickeln.

Um die Region mit erneuerbarer Energie versorgen zu können, sind zwei Wege vorgesehen: Wärme über Fernwärmeleitungen aus den Biogasanlagen der Region zuliefern, die für verbautes Gebiet gedacht ist. Streusiedlungen oder Einzelbauten wiederum will man mit Biogas versorgen, das in entsprechenden Thermen in Wärme oder Warmwasser umgewandelt wird. Dafür sollen in den nächsten Jahren rund 250 Kilometer Gasnetz verlegt werden.

Heim als Kraftwerk

Mittelfristig sieht man in Güssing einen klaren Trend, der weg von den großen Kraftwerken geht. Dazu sei es notwendig, das eigene Heim zur Energiezentrale zu machen. "Strom wird über Fotovoltaik, kleine Windräder oder Brennstoffzellen erzeugt, Warmwasser über Solarenergie. Und an der Entwicklung brauchbarer Speichermedien für den Strom arbeiten wir mit Vollgas", sagt Koch.

Die Zukunft der erneuerbaren Energie sieht man in Güssing mittlerweile weniger im Holz - es ist beschränkt vorhanden und konkurriert mit der Möbel- und Parkettindustrie -, sondern in der Verwertung kohlenstoffhaltiger Reststoffe. Vor allem der Müll ist dabei ins Visier der Güssinger geraten. Egal, ob biogener Abfall oder schlichter Hausmüll. "Biogas lässt sich aus fast allem gewinnen. Man muss nur um die Ecke denken können", weiß Koch.

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