© Gemeinde Großwarasdorf

Chronik Burgenland
07/07/2020

Großwarasdorf:Denkmalschutz für die Schule?

Bundesdenkmalamt will einige Brutalismus-Gebäude unter Schutz stellen, auch die NMS Großwarasdorf. Gemeinde schaltet Anwalt ein.

Der Denkmalschutz sorgt im Burgenland nicht zum ersten Mal für hitzige Debatten. Diskussionen hatte es jahrelang wegen des geplanten Um- bzw. Neubaus des in Sichtbetonweise errichteten Kulturzentrums Mattersburg gegeben.

Um Abrisse des in der Architektur des Brutalismus (von Béton brut, auf Deutsch roher Beton; Anm.) errichteten Gebäude künftig zu vermeiden, hat das Bundesdenkmalamt (BDA) begonnen, solche Bauten unter Schutz zu stellen, wie es auch für die Neue Mittelschule (NMS) in Großwarasdorf vorgesehen ist.

Gemeinderat einstimmig dagegen

Der Gemeinderat von Großwarasdorf hat sich einstimmig dagegen ausgesprochen, jetzt wurde ein Rechtsanwalt eingeschaltet.

Doch der Reihe nach. Eine Gutachterin des Bundesdenkmalamts kam zum Entschluss, dass die Schule, die von 1968 bis 1972 von Architekt Matthias Szauer errichtet worden war, „wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und kulturellen Bedeutung“ teilweise unter Denkmalschutz gestellt werden solle.

Im Frühjahr erhielt die Gemeinde entsprechenden den Bescheid – und erhob Einspruch. Doch dieser wurde nun von Seiten des BDA abgelehnt: Ein Einspruch aus wirtschaftlichen Gründen, mit denen die Gemeinde argumentiert habe, sei nicht zulässig.

Die Gemeinde will sich mit diesem Entscheid nicht abfinden, sagt Bürgermeister Rudolf Berlakovich (ÖVP).

Etwa 50 Kinder besuchen derzeit die zweisprachige Schule in der burgenland-kroatischen Gemeinde im Mittelburgenland.

Mittelfristig Sanierungen geplant

Dringende Baumaßnahmen seien zwar derzeit nicht nötig, sagt der Ortschef. Aber „mittelfristig“ müssten einige Arbeiten, wie ein Fenstertausch, vorgenommen werden.

„Ich habe nichts dagegen, dass Architektur geschützt wird“, sagt Berlakovich. Doch für eine kleine Gemeinde seien die finanziellen Anforderungen, die eine solche Maßnahme mit sich bringe, einfach zu hoch. „Würde der Bund die Kosten übernehmen, hätte ich nichts gegen den Denkmalschutz einzuwenden.“

Landeskonservator Peter Adam hofft nun auf ein klärendes Gespräch mit der Gemeinde. „Es sind da Ängste, dass eine Sanierung per se teurer wird. Das kann in gewissen Bereichen stimmen, in vielen Fällen ist das aber nicht so“, sagt Adam.

50 Objekte der Nachkriegsmoderne

Laut der internationalen Architekturvereinigung Docomomo ist das KUZ Mattersburg als einer von 150 Bauten der Sichtbetonarchitektur weltweit im deutschen Architekturmuseum Frankfurt gelistet.

Im Burgenland stehen etwa 50 Objekte der Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz. Insgesamt sind im Burgenland knapp 2.100 Objekte unter Denkmalschutz.

Auch über weitere Unterschutzstellungen von Brutalismus-Gebäuden im Land werde derzeit nachgedacht. So wurden bereits die Aufbahrungshallen in Deutschkreutz und Kaisersdorf unter Schutz gestellt, für das Hallenbad in Neusiedl holt derzeit das Verwaltungsgericht eine Expertise ein.

Angedacht sei der Denkmalschutz u. a. für das Krankenhaus Oberwart. Wie berichtet, wird das Spital neu gebaut.

Derzeit konzentriere man sich auf den Neubau, heißt es daher von der Landestochter Krages. „Wir werden aber gemeinsam mit Belig und der TU (Technischen Universität, Anm.) die Bausubstanz des bestehenden Hauses wissenschaftlich fundiert bewerten“, erklärt ein Sprecher der Krages.

Bauarbeiten am KUZ Mattersburg im Gange

Wegen eines Neu- bzw. Umbaus  des 1976 eröffneten Kulturzentrums (KUZ) wurde jahrelang diskutiert.  Die Frage, ob das  Brutalismus-Gebäude schützenswert sei, polarisierte. 

Die Plattform „Rettet das Kulturzentrum Mattersburg“ hatte sich für den Erhalt des von Udo Herwig Graf errichteten Hauses stark gemacht. Ein Teil des Gebäudes wurde  vom Bundesdenkmalamt unter Schutz gestellt - der KURIER hat berichtet.

Vor ziemlich genau einem Jahr, Anfang  Juli 2019, wurde mit dem Teilabriss begonnen.
Das KUZ solle zu einem für das Land „bisher einzigartigen Zentrum der Kommunikation, Weiterbildung, Forschung und Literatur“ werden, erklärte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ).


In der Stadtgemeinde Mattersburg geht man von einer Eröffnung Ende 2021 aus; dann sollen auch das Landesarchiv und das Literaturhaus wie geplant in Betrieb gehen. Die Digitalisierung des Landesarchivs sei dann bis 2023 vorgesehen.

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