Chronik | Burgenland
05.03.2013

Fremdgehen bei Energieversorgung

Die beiden Kommunen kehren der Energie Burgenland ab 1. April den Rücken. Kritik der Opposition.

Großhöflein setzt auf eine Energiewende der anderen Art: Die Gemeinde bezieht ab 1. April Strom und Gas von „My Electric“, einem Tochterunternehmen von Salzburg AG und Tiroler Tiwag. Der Vertrag mit der Energie Burgenland wurde gekündigt. Die jährliche Kostenersparnis beziffert Bürgermeister Wolfgang Rauter von der Liste Burgenland mit 5500 €. Versorgt werden alle kommunalen Gebäude vom Rathaus bis zum Kindergarten und die Straßenbeleuchtung. Der Gasvertrag läuft bis Ende 2014, der für Strom ein Jahr länger.

Sparen

Die Gemeinde habe 2,6 Millionen € Schulden, sagt der im Herbst 2012 neu gewählte Ortschef. Gespart werden soll auch durch einen neuen EDV-Gemeindedienstleister und Nachforderungen der Standortabgabe vom Müllverband für die Föllig-Deponie.
Die nordburgenländische Gemeinde ist nicht die einzige, die seit der Fusion von Bewag und Begas zur Energie Burgenland (EB) im Vorjahr „fremdgeht“. Die südburgenländische Schulgemeinde Oberschützen hat sich ebenfalls ab 1. April für die Kärntner AAE Naturenergie entschieden. „Eine wirtschaftliche Entscheidung“, begründet ÖVP-Bürgermeister Günter Toth im Gespräch mit dem KURIER. Ein Wechsel nicht ohne Pikanterie, schließlich war Toth Vize-Aufsichtsratschef der Begas. Man habe „sehr lange und ausführlich“ mit der EB verhandelt, von der man weiterhin Gas beziehe. Nur der Strom kommt künftig „aus Kärnten“.

Während der Anbieterwechsel in Oberschützen vom Gemeinderat abgesegnet wird, ist Rauter überzeugt, dass der Bürgermeister allein entscheiden kann und beruft sich auf § 25 der Gemeindeordnung. Geschäfte, die „0,5 Prozent der Einnahmen des ordentlichen Gemeindevoranschlags“ (höchstens 40.000 Euro) nicht übersteigen, sind „Aufgaben im eigenen Wirkungsbereich“.
SPÖ-Vizebürgermeister Heinz Heidenreich überlegt dennoch eine Prüfung durch die Gemeindeaufsicht. Er hält den Wechsel nicht nur mit Blick aufs Service der EB für kurzsichtig, sondern auch, weil die Wertschöpfung im Land bleiben sollte.