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Rudersdorf
01/23/2020

Grenzenlose Berufsschule gefordert

Wirtschaftskammern arbeiten zusammen, um Lehrlingsausbildung attraktiver zu machen

von Roland Pittner

Bernhard Fasching ist Lehrling bei Katzbeck Fenster in Rudersdorf. Er pendelt von Fürstenfeld etwa vier Kilometer ins Burgenland. Obwohl er als Tischlerlehrling eine Berufsschule in seiner steirischen Heimatgemeinde hat, muss er in Pinkafeld zur Schule gehen. „Es ist schon sehr umständlich, es gibt kaum öffentliche Verbindungen“, sagt der Lehrling. Attraktiver mache dieser Umstand seinen Job in Rudersdorf nicht.

Generell kämpft die Firma Katzbeck mit Lehrlingsmangel. „In Österreich gilt immer noch oft der Grundsatz, wenn du nicht ordentlich lernst, musst du eine Lehre machen“, sagt Geschäftsführerin Nina Katzbeck. Doch die Lehrberufe in ihrer Fensterfirma seien sehr vielfältig. „Es gibt ja nichts Schöneres, als am Ende des Tages ein fertiges Produkt zu haben“, sagt die Unternehmerin. Trotz Bemühungen, wie Lehrlingsmessen und Besuchen in Schulen, hat sich für heuer kein Lehrling gefunden. In Spitzenjahren wurden 14 Jugendliche im Betrieb ausgebildet.

Probleme

Doch nicht nur in Rudersdorf gibt es das Problem mit den Berufsschulen. „Etwa ein Karosseriespenglerlehrling aus Mattersburg, der in Wiener Neustadt seine Lehre beginnt, muss nach Eggenburg in die Berufsschule fahren und könnte zu Fuß in Mattersburg in die Berufsschule gehen“, schildert Wirtschaftskammer Präsident Peter Nemeth, der gemeinsam mit seinem steirischen Amtskollegen Josef Herk bei Katzbeck für eine Auflösung der Landesgrenzen im Berufsschulbereich eintreten. Nötig wäre eine Gesetzesänderung und viele Lehrlinge würden sich lange Wege ersparen. Allein in der Steiermark wurden im Vorjahr 59 Anträge aus anderen Bundesländern auf Gastschulbesuche gestellt, umgekehrt gab es 73 Anträge von steirischen Lehrlingen, die in ein anderes Bundesland wechseln wollten. Im Burgenland gibt es derzeit 436 Lehrlinge, die es in eine Berufsschule in einem anderen Bundesland näher hätten.

Lehrlingscasting

Auch heuer will die Wirtschaftskammer wieder mit dem „Lehrlingscasting“ Unternehmen und Lehrlinge zusammenbringen. Gemeinsam mit dem AMS und der Bildungsdirektion wird es an sechs Terminen in den polytechnischen Schulen Stegersbach, Neusiedl, Mattersburg und Eisenstadt sowie in der Wirtschaftskammer Oberwart und im Rathaus Oberpullendorf Veranstaltungen geben. Im Vorjahr wurden alleine im März 320 Lehrlinge aufgenommen.

Bereits mehr als 140 Betriebe haben sich schon für das Lehrlingscasting angemeldet. Neu ist, dass heuer jeder der eine Lehrstelle sucht, an den Castings teilnehmen kann. Damit die Jugendlichen bestmöglich auf diese Gespräche vorbereitet sind, bieten AMS und die polytechnischen Schulen Vorbereitungsworkshops an.

„Wir haben vom Tiefbauer über Lebensmitteltechniker bis hin zu Drogisten und Koch alles dabei. Betrachtet man die Liste der teilnehmenden Betriebe, so wird rasch ersichtlich, wie vielfältig eine Lehre im Burgenland sein kann“, sagt Nemeth.

Burgenland Schlusslicht bei Lehrlingsausbildung

Im Vorjahr gab es 109.111 Lehrlinge, das war ein Plus gegenüber 2018 von 2,1 Prozent. 40 Prozent aller 15-Jährigen machen eine Lehre. 50.535 Personen haben voriges Jahr die Lehrabschlussprüfung absolviert, 4.676 sind zum Meister geworden. Das Hauptmotive, sich für eine Lehre zu entscheiden, ist laut der Wirtschaftskammer   Geld verdienen (64 Prozent).

Die meisten Lehrlinge gab es 2019 mit Abstand in  Oberösterreich (23.294). Dahinter folgen Wien (17.153), Niederösterreich (16.811), die Steiermark (15.543), Tirol (10.874), Salzburg (8.454), Vorarlberg (7.238), Kärnten (7.165), das Schlusslicht ist das Burgenland (2.579).