Chronik | Burgenland
31.08.2018

Genug Lehrer für weniger Schüler im Burgenland

Am Montag starten 32.333 Schüler in ein Schuljahr mit zahlreichen organisatorischen Neuerungen

An Lehrern wird es Burgenlands Schülern beim Schulstart am kommenden Montag nicht mangeln, versicherten LH Hans Niessl (SPÖ) – früher selbst Lehrer – und Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz am Donnerstagvormittag in Eisenstadt. Um das sicherzustellen, erhielten am Donnerstagnachmittag noch rund 40 Pflichtschullehrer ihre Dienstverträge. Und für alle Eventualitäten gibt es weitere Bewerber auf Abruf, wenn sich am Montag da oder dort eine Lücke auftun sollte, weil sich ein Lehrer länger krankmeldet oder eine Lehrerin überraschend den Mutterschutz anmeldet.

In Summe stehen im neuen Schuljahr 4126 Landes- und Bundeslehrer (-15 im Vergleich zum Vorjahr) vor 32.333 Schülern (-146) von der Volksschule bis zur HTL. 2685 Kinder beginnen heuer als Taferlklassler ihre Schullaufbahn. Die Zahl der Schüler in den ideologisch umfehdeten Neuen Mittelschulen (NMS) sei stabil, wies Zitz Behauptungen einer Abwanderung in Richtung AHS-Unterstufe zurück. Zudem glänze das Burgenland mit 70 Prozent Bundeslehrern mit dem „bei weitem höchsten Einsatz in NMS“.

Cluster statt Zusperren

Weder Schüler noch Lehrer gibt‘s ab Montag in den Ortschaften Goberling und Rettenbach im Bezirk Oberwart, die dortigen Volksschulen wurden stillgelegt, wie das amtlich heißt – wenn es wieder mehr als zehn Anmeldungen gibt, wird der Betrieb wieder aufgenommen. Um das grassierende Problem des Schülerschwunds in Zaum zu halten, gibt es nun österreichweit die Möglichkeit zu Zusammenschlüssen mehrerer Schulen zu Clustern. Sie sind Teil des von der früheren Bundesregierung beschlossenen Autonomiepakets für Schulen. Lehrer sollen bei Bedarf auch an anderen Schulen des Clusters unterrichten, der Clusterleiter den Großteil der Verwaltung übernehmen, dafür gibt es weniger Direktoren.

Das Burgenland hat vier Cluster gebildet, mehr als andere Bundesländer: In Niessls Heimatgemeinde Frauenkirchen sind die Volksschule, die NMS, die Polytechnische Schule sowie die Sonderschule zusammengeschlossen; Illmitz kooperiert mit Apetlon, Andau mit Tadten und Lockenhaus mit Bernstein.

Als positives Schlusslicht sieht Bildungsdirektor Zitz das Burgenland hingegen bei den Sonderschulen – „nur“ 246 Schüler gäbe es sonst nirgends. Zitz: „Wir integrieren jedes Kind, wenn nur irgend möglich“, dennoch stehe das Burgenland zum „System der Sonderschulen“.

Eine Änderung kommt auf Volksschüler gemischtsprachiger Schulen zu: Die Methode des Sprachunterrichts für Kinder mit burgenlandkroatischer oder ungarischer Muttersprache wird umgestellt. Statt dauernd zwischen Minderheitensprache und Deutsch zu wechseln, sollen Kinder länger in den Sprachen verweilen.

Zu guter Letzt gibt es auch an der Spitze der Schulverwaltung eine Reform: Aus den Landesschulräten wurden Bildungsdirektionen, offiziell tritt die Änderung am 1. Jänner 2019 in Kraft. Personell bleibt fast alles beim Alten. Der frühere amtsführende Landesschulratspräsident Zitz wurde schon zum Bildungsdirektor bestellt, seine Amtszeit läuft zunächst bis zur Landtagswahl. LH Niessl bleibt Präsident – bis zu seinem Ausscheiden aus der Landesregierung. Auch Sandra Steiner als Leiterin des neu geschaffenen Präsidialbereiches sowie Jürgen Neuwirth als Chef des Pädagogischen Dienstes waren schon im Landesschulrat.