Chronik | Burgenland
08.07.2018

Fruchtsaft-Pioniere setzen auf die Region

© Bild: Roland Pittner

Stegersbach.Fruchtsäfte, Uhudler-Produkte und vieles mehr produziert der Familienbetrieb Trummer

„Welcher Saft darfs sein?“, fragt Martin Trummer im Verkaufsraum des Firmensitzes in Stegersbach. 30 stehen zur Auswahl. Der „Maschansker“ Apfelsaft und der normale Apfelsaft werden verkostet. Sein Vater und Firmenchef Karl Trummer testet ebenfalls: „Sie schmecken total unterschiedlich“. Da sind sich die beiden Trummers einig. In puncto Firmengeschicke seien sie ebenfalls meist einer Meinung, aber es werde auch öfter diskutiert.

„Ich bin hier im Betrieb quasi aufgewachsen“, erklärt Martin Trummer. Er ist seit vier Jahren in der Fruchtsaft-Firma seines Vaters tätig. Doch interessiert habe er sich schon immer für den Familienbetrieb und die Obstgärten, „man kann nicht erst mit 18 in den Betrieb kommen, da kennt man sich nicht aus“. Mit 21 Jahren ist er in alle Geschäftszweigen sattelfest. Die Saftpresse mit der Marke „Xunder Xandl“ gibt es bereits seit fast 30 Jahren. Mit Most wurde begonnen, heute gibt es mehr als 30 verschiedene Säfte. Vor einigen Jahren ist auch eine eigene Essiglinie mit 15 Sorten dazugekommen, kreiert vom Jungunternehmer.

Produktvielfalt

Neben den Fruchtsäften hat sich der Betrieb mit 15 Mitarbeitern auch dem Uhudler verschrieben. Wein, Prosecco und viele andere Produkte wie Marmeladen werden aus den Direktträgertrauben hergestellt. „Wir haben jetzt auch einen Uhudler-Tee gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Kottas auf den Markt gebracht“, sagt Karl Trummer. Die Nachfrage nach Uhudlerprodukten habe sich in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Das drohende Verbot des Direktträgerweins, sorgte für viel Aufmerksamkeit. Was sich in den Verkaufszahlen positiv niederschlug.

 

© Bild: Roland Pittner

Beim Familienbetrieb Trummer werde immer auf Regionalität geachtet. Die Ware kommt aus einem Umkreis von 70 bis 80 Kilometer. „Die Karotten für unsere Säfte bekommen wir aus dem Marchfeld“, sagt Trummer. Mangos und Orangen müssen importiert werden. „Der Markt verlangt auch diese Produkte, aber in unserem Apfel-Mango Saft sind trotzdem 80 Prozent regionaler Anteil drinnen“, sagt Trummer. Abgefüllt wird alles am Standort in Stegersbach, außer Wein und Sekt, „hier haben wir die Abfüllung ausgelagert“, erklärt der 21-Jährige.

© Bild: Roland Pittner

Im Vorjahr wurde der Betrieb um die Obstverwertung PIO in Pinkafeld erweitert. Am neuen Standort soll ein Bauernladen mit Produkten aus der Region entstehen. „Wir haben im Saftbereich den Absatz zum Vorjahr verdoppelt“, sagt Trummer. Mittlerweile könne das ganze Burgenland mit Säften versorgt werden, ein großer Teil gehe auch in den Einzelhandel. „Wir haben ein Produkt, das der Handel braucht“, sagt Trummer. Jedes Jahr bringt das Unternehmen vier bis fünf neue Kreationen auf den Markt. „Derzeit überlegen wir eine eigene Saftlinie mit Streuobst“, verrät Trummer. Viele Streuobstwiesen würden nicht bewirtschaftet. „Hier fehlt es an der Vermarktung“, da sind sich Vater und Sohn einig. Sie wollen das ändern.

 

Nachgefragt

Martin Trummer besuchte   die Obstbaufachschule in Gleisdorf. Seit vier Jahren ist der 21-Jährige im elterlichen Betrieb tätig.  Er hat eine Essiglinie kreiert und ist auch in den Obst- und Weingärten des Betriebs aktiv. 

KURIER:Was macht das Landleben für Sie lebenswert?
Martin Trummer: Für mich ist das Landleben ruhiger und gemütlicher – sobald ich nach  Wien muss, ist es  Stress pur. Schön in die Obstgärten gehen und arbeiten – Äpfel aus der Region verarbeiten – wie kann man ein schöneres Leben haben, auch wenn es manchmal heißt 70 bis 80 Stunden in der Woche zu arbeiten. Aber es ist mir lieber  als 40 Stunden im Büro in Wien zu  sitzen. Das wäre nichts für mich.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In unseren schönen, naturbelassenen Streuobstgärten und Weingärten, die wir biologisch bewirtschaften. Am Sonntag entspanne ich mich noch oft  in den Wäldern und genieße die  wunderbare Luft. 

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten am Landleben?
Wir haben eine schlechte Verkehrsanbindung und die Bevölkerung wird älter. Die Alten ziehen aufs Land und die Jungen  in die Stadt, obwohl es dort auch nicht leicht ist. Sonst ist die Struktur im Bereich Güssing-Stegersbach gut, südlicher wird es schwieriger.