Friedrichshof: Vieles neu und doch etwas ähnlich

Am Friedrichshof in Zurndorf sollen 32 neue Wohneinheiten entstehen - kommunale Gedanken sind zu erkennen.

Was waren das für Zeiten, als der Kommunarde Otto Muehl sich in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit seinen Kommilitonen in Pose warf, Zungen zeigten in die Kamera, nackt tanzten und provokant die freie Liebe proklamierten. Selbst Landeshauptleute und Kulturminister gaben sich damals am Friedrichshof die Klinke in die Hand.

Experiment

Bis es dann 1990 zur Zerschlagung der freien Liebe und der "besten Genossenschaft der Welt" gekommen war. Heute, nach mehr als 20 Jahren, schaut die Welt am Friedrichshof anders aus: Muehl fühlt sich wahrscheinlich wohl auf einer Insel in Spanien, viele Aktivisten haben sich zurückgezogen und andere wiederum haben das Schiff nie verlassen. Wie zum Beispiel die 61-jährige Ex-Kommunardin Ami Rausch, die ein neues Projekt am Friedrichshof begrüßt. "Unser Experiment damals war extrem und einzigartig. Es hat sich ohne, dass wir es wollten, in eine hierarchische Gesellschaft entwickelt."

Jetzt soll endgültig Schluss damit sein. Bis Herbst 2012 soll nämlich auf dem Hof eine CoHousing-Wohnhausanlage mit 32 Einheiten errichtet werden, "die den Menschen mehr als ein Dach über den Kopf bietet", erklärt dazu die Initiatorin Birgit Konteh. Um die Gemeinschaft zu fördern, teilen sich die Bewohner Küche- und Essensbereich, Waschräume, Aufenthaltsräume und einen Garten. "Man kennt sich und unterstützt sich gegenseitig. Und gewinnt somit massiv an Lebensqualität." Alltägliche Haushalts-Aufgaben werden aufgeteilt.

Wenig Jubel

Assoziationen mit der Kommune stoßen bei den Initiatoren nicht auf Jubelschreie, werden jedoch ob der geografischen Lage in Kauf genommen. Das CoHousing Konzept sei "völlig anders, wir setzen auf Freiwilligkeit und horizontale Strukturen. Bei uns ist der Aspekt der Freiheit sehr wichtig", erklärt Konteh.

Lebensgemeinschaften hätten sich seit dem Ende der Kommune im Jahr 1990 extrem weiterentwickelt, weiß Ex-Kommunardin Rausch. Als Schauspielerin habe sie in den 1970er Jahren die Mischung aus "gemeinsamen Eigentum, freier Sexualität und der wichtige Stellenwert der Kunst" dazu veranlasst, sich der Kommune anzuschließen.

Rausch, die anfangs selbst am CoHousing-Konzept mitgearbeitet hat, rät den zukünftigen Bewohnern: "Jeder muss für sich eine Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und den sozialen Kontakten innerhalb der Gemeinschaft schaffen und auch Rückzugsmöglichkeiten in Anspruch nehmen."

www.cohousing-friedrichshof.at

(kurier / Theresa Gsellmann und Georg Gesellmann) Erstellt am
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