© Michael Pekovics

Landtagswahl
01/15/2020

FPÖ-Chef Tschürtz zur Wahl: „Ich bin sehr schmerzbefreit“

FPÖ-Chef Johann Tschürtz sieht Bewertungswahl für Landesregierung und glaubt nicht an Verluste.

von Michael Pekovics

2015 führte Johann Tschürtz die FPÖ erstmals in die Regierung. Jetzt will er wieder dorthin.

Was ist besser: Regierung oder Opposition?

Johann Tschürtz: Das ist leicht zu beantworten – Regierung.

Gilt das auch im Bund?

Ja, wir haben als Regierungspartner viel weitergebracht. Als Opposition kann man das nicht.

Fehlen durch Türkis-Grün die Kontakte nach Wien?

Vorher war es speziell in meinem Zuständigkeitsbereich sehr gut. Wie es wird, kann ich noch nicht beurteilen. Ich konzentriere mich auf die Projekte im Burgenland und versuche, guten Kontakt herzustellen.

Im Bund scheint die FPÖ zur Ruhe gekommen zu sein – positiv für den Wahlkampf?

Der Wähler unterscheidet zwischen der Arbeit im Land und dem Bund. Als die ÖVP im Bund bei 20 Prozent lag, hat Johanna Mikl-Leitner in Niederösterreich auch 49 Prozent gemacht. Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Wähler erkennt, welche Arbeit wir geleistet haben in dieser Koalition – ohne Streit und mit respektvollem Umgang sind wir Umsetzungsmeister.

Wie lebt es sich als Partner mit einer scheinbar übermächtigen Doskozil-SPÖ?

Die SPÖ hatte 42 Prozent, wir 15, dementsprechend wurden die Ressorts aufgeteilt. Faszinierend in der Zusammenarbeit ist, dass wir in unseren Bereichen – Tourismus, Wirtschaft, Sicherheit – volle Handlungsfreiheit haben. Dafür mischen wir uns nicht in Wohnbauförderung oder Kultur ein. Deshalb geht auch so viel weiter, jeder hat seine Bereiche und kann sich dort verwirklichen.

Mit welchen Projekten?

Im Sicherheitsressort die Asylobergrenze, die Sicherheitspartner, bessere Infrastruktur bei den Grenzkontrollen, die weitergeführt werden, und mehr.

2015 hatte die FPÖ 15 Prozent, bei der Nationalratswahl im Herbst 17,3 – das Ziel für 26. Jänner?

Die Bevölkerung erkennt, dass wir keine Haxelsteller sind und niemanden in den Rücken fallen. Ich glaube, dass wir 15 Prozent erreichen können. Wenn wir darüber liegen, dann wird dieser rot-blaue Erfolgsweg sicher fortgesetzt.

Also hofft die FPÖ Burgenland ebenso wie die SPÖ die Trendwende zu schaffen?

Wir fokussieren uns aufs Burgenland, das eine andere Priorität hat als andere Bundesländer oder der Bund.

Rot-Blau im Burgenland könnte ja auch Vorbild für andere sein?

Wir leisten jedenfalls saubere Arbeit. Ich vergleiche das mit Gemeinderatswahlen: Macht ein Bürgermeister gute Arbeit, wird er wiedergewählt – egal ob es politische Differenzen gibt. Eine Neuauflage von Rot-Schwarz würde Streit und Grätschen bringen.

Das ist Ihre 4. Landtagswahl, Sie sind seit 15 Jahren Parteichef – gibt es eine persönliche Schmerzgrenze?

Ich bin sehr schmerzbefreit, weil ich nicht an große Verluste glaube. Sollten wir unter 10 Prozent rutschen, wäre die Motivation natürlich nicht mehr sehr groß. Aber das glaube ich nicht, bei der Nationalratswahl haben wir 17 Prozent gemacht.

Im Fall von Verlusten wäre die FPÖ billiger zu haben?

Mir wäre wichtig, dass wir in unseren Ressorts weiterarbeiten können, da wurde viel aufgebaut. Ich gehe davon aus, dass alles bleibt, wie es ist.

Gibt es einen Plan B?

Nein, Plan B hat sich noch nie bewährt. Weil das im Hinterkopf immer schlecht ist, wenn man ein Ziel erreichen möchte.

Wie stehen die Chancen für eine Dreierkoalition ohne SPÖ?

Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass man zu dritt zusammenfindet. Im Burgenland sollte es eine Koalition geben, wo sich die Bürger darauf verlassen können, dass gearbeitet und nicht gestritten wird.

Also weiter Rot-Blau, wenn es eine Mehrheit gibt?

Wir stehen vor einer Bewertungswahl. Wenn die Bevölkerung sagt, wir haben den Job bisher gut gemacht, dann schlägt sich das im Ergebnis nieder und wir sollten weitermachen. Wenn die Bevölkerung mit unserer Arbeit aber nicht zufrieden ist, dann muss man darüber nachdenken.

Gibt es im Hintergrund bereits Absprachen für die Fortführung der Koalition?

Nein, jetzt lassen wir am 26. Jänner einmal die Bevölkerung bewerten und uns ein Zeugnis für die Legislaturperiode ausstellen. Danach werden wir sehen.