© Birgit Machtinger / Burgenland Tourismus

Chronik Burgenland
10/25/2019

Ungarisches Bauprojekt: Welterbe Neusiedler See vor Zerreißprobe

Ungarn sieht den Status durch das touristische Großprojekt in Fertörákos nicht in Gefahr, das Burgenland ist skeptisch.

von Thomas Orovits

Man spricht endlich miteinander über Fertörákos – mitunter freilich auch aneinander vorbei. Das ist das Fazit eines ersten ungarisch-österreichischen Treffens zum größten Tourismusprojekt der Regierung von Viktor Orbán, das seit Monaten diesseits und jenseits der Grenze für Aufregung sorgt. In Fertörákos nahe Mörbisch soll in den kommenden zwei bis drei Jahren um 75 Millionen Euro ein Projekt mit Freizeitpark, Hotel, Sportplätzen, Anlegeplätzen für rund 400 Segelschiffe und 350 Paddelboote sowie 880 Pkw- und Bus-Parkplätzen entstehen.

Umweltschützer lehnen das Vorhaben als zu massiven Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft ab. Die Politik im Burgenland fürchtet vor allem um den auch touristisch wertvollen Status als UNESCO-Welterbe, der 2001 an Fertö-Neusiedler See verliehen wurde. Sollte das ungarische Freizeit-Projekt zu einer Aberkennung führen, hieße das für die burgenländische Seite „mitgehangen, mitgefangen“.

Botschafter am Tisch

Vor diesem Hintergrund kam es am Montag auf Einladung der Ungarn in Sopron zu einem Treffen. Neben dem ungarischen Botschafter in Wien, Andor Nagy, und Béla Kárpáti, dem Verantwortlichen für das Projekt in Fertörákos, saßen auch Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf, Hannes Klein vom Verein Welterbe Neusiedler See sowie Ruth Pröckl, im Bundeskanzleramt für Angelegenheiten des UNESCO-Welterbes zuständig, am Tisch.

Dass ihre Bedenken nach dem dreistündigen Gespräch ausgeräumt gewesen seien, wie auf der Homepage von Sopronmedia behauptet wurde, stimme nicht, stellte Eisenkopf am Freitag klar. „Wir haben unsere Bedenken von Anfang an auf den Tisch gelegt“, versicherte die Landesrätin. Sie habe „klar gemacht, dass Naturschutz- und Welterbekonformität ein wichtiges Anliegen von uns ist“. Die Ressortchefin ließ anklingen, dass vielleicht nicht jedes ihrer Worte exakt übersetzt worden sein könnte, wollte die Meldung im ungarischen Medium aber auch nicht überbewerten. Entscheidend sei, dass es nach einem Jahr vergeblicher Bemühungen um ein direktes Gespräch endlich dazu gekommen sei.

Und in der Sache selbst? Auch für die Ungarn habe der Welterbe-Status „oberste Priorität“, sei den Österreichern versichert worden. Sie sehen ihn aber durch das Projekt in keiner Weise gefährdet. Es gebe auch eine entsprechende positive Stellungnahme der ungarischen UNESCO-Verbindungsstelle, die Eisenkopf in den nächsten Tagen übermittelt werden soll. Im Übrigen seien alle Verfahren für das Tourismusprojekt rechtsgültig abgeschlossen, wurde in Sopron mitgeteilt. Bautätigkeiten soll es aber noch keine geben.

Dass sich Ungarn vom Bau abhalten lässt, scheint demnach sehr unwahrscheinlich. Zumindest die Beziehungen zum Burgenland sollen sich verbessern. Hannes Klein und Béla Kárpáti bilden eine bilaterale Arbeitsgruppe, um den Informationsfluss bei Fertörákos und künftigen Projekten zu verbessern.

„Vager Eindruck“ lässt Fragen offen

Ungarn ist zwar ebenso wie Österreich Mitglied der Europäischen Union, aber Gleichklang herrscht zwischen den Nachbarn deshalb noch lange nicht. Das zeigt sich auch in der Bewertung des geplanten Tourismusprojekts in Fertörákos.

Ruth Pröckl, die im Bundeskanzleramt  für Angelegenheiten des  materiellen Unesco-Welterbes zuständig ist, war Teil der österreichischen Delegation in Sopron.    Es sei in diesem Rahmen nur eine sehr oberflächliche Bewertung des Projekts  in Fertörákos möglich gewesen, sagte  sie am Freitag zum KURIER. Man habe nur einen „vagen Eindruck“ bekommen können.

So sei auch ihr im Gespräch mit Landesrätin Astrid Eisenkopf gefallener Satz zu verstehen, dass der Welterbestatus „auf den ersten Blick“ nicht gefährdet sei.

Die ungarischen Sitzungsteilnehmer hätten Pläne präsentiert und gemeint, man wollte sich an Seebädern und Hafenanlagen auf burgenländischer Seite orientieren und auf eine einheitliche Architektur achten. Allerdings sei man draufgekommen, dass es auch auf der burgenländischen Seite des Sees mit der Einheitlichkeit nicht  weit her sei.

Auch die Kommunikation mit der Unesco in Paris gestalte sich in Budapest und Wien  unterschiedlich. Die Ungarn hätten mitgeteilt, die positive Stellungnahme der ungarischen Unesco-Verbindungsstelle nicht nach Paris geschickt zu haben, eben weil sie ohnehin positiv gewesen sei. „In Österreich werden solche Stellungnahmen immer nach Paris weitergeleitet, vor allem dann, wenn sie positiv sind“, erläutert die  Expertin  im Bundeskanzleramt.

Sie setzt  nach dem  oberflächlichen ersten Blick noch auf einen genaueren zweiten.  „Ich hoffe, dass sich im Zuge eines vertieften Dialogs die  Probleme lösen lassen“.  Übermitteln die Ungarn die positive Stellungnahme wie versprochen ans Burgenland? Pröckl: „Ein klares Ja habe ich nicht gehört“.  

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