Im Rechtsstreit mit Ungarn um KunstgegenstĂ€nde aus der Esterhazyschen Schatzkammer der Burg Forchtenstein geht es der Esterhazy Privatstiftung nicht um die physische ZusammenfĂŒhrung.

© Burg Forchtenstein/Andreas Hafenscher

Chronik Burgenland
01/15/2019

Esterhazy steigt gegen Ungarn in Ring

Streit um Kunstwerke. 260 Objekte aus der Forchtensteiner Schatzkammer wurden 1919 nach Budapest gebracht

von Thomas Orovits

Was Prozesse gegen mĂ€chtige Gegner betrifft, ist Esterhazy geeicht. Vor Weihnachten wurde der jahrelange Rechtsstreit mit dem Land Burgenland mittels „umfassender Vereinbarung“ ad acta gelegt. Neben einer Vergleichszahlung von 7,7 Millionen Euro vonseiten des Landes paktierten die frĂŒheren Gegner auch „eine enge Kooperation in Kulturfragen“.

Beides – eine umfassende Vereinbarung und eine enge Kooperation – strebt Esterhazy auch im Rechtsstreit mit einem ungleich mĂ€chtigeren und wohl auch unberechenbareren Gegner an, dem ungarischen Staat. Am 22. Februar soll vor dem „HauptstĂ€dtischen Gericht“ in Budapest ĂŒber die Zukunft von Kunstobjekten entschieden werden, die sich zum Teil ĂŒber Jahrhunderte am Stammsitz der Esterhazy auf Burg Forchtenstein befunden hatten, ehe sie 1919 (das Burgenland war damals westungarisches Gebiet) im Zuge der knapp fĂŒnf Monate dauernden ungarischen RĂ€terepublik nach Budapest verbracht wurden.

Lange Vorgeschichte

Ob bei der Verhandlung vor dem Zivilgericht Ende Februar eine Entscheidung fĂ€llt oder sich die Causa weiterdreht, ist offen. So lange wie die Vorgeschichte wird‘s hoffentlich nicht mehr dauern.

Die mehr als 260 KunstgegenstĂ€nde aus der Forchtensteiner Schatzkammer (Prunkpokale, Kelche, Schmuck, fĂŒrstliche GewĂ€nder) wurden auch nach Ende der RĂ€terepublik im Budapester Kunstgewerbemuseum als Deposit verwahrt. 1923, so argumentiert die Esterhazy-Gruppe heute, habe FĂŒrst Paul V. Esterhazy eine Deposit-Vereinbarung mit dem Museum getroffen, in der der damalige ungarische Kulturminister „ausdrĂŒcklich“ Esterhazy als EigentĂŒmer der Objekte anerkannt habe. Als sich Ungarn 1948 anschickte kommunistisch zu werden, wurde Pauls Besitz beschlagnahmt und verstaatlicht, der FĂŒrst eingekerkert (1956 konnte er fliehen, 1989 starb er in ZĂŒrich).

In ungarischen Medien wird der Gesamtwert der 260 Objekte auf 100 Millionen Euro taxiert. Laut Esterhazy lasse sich das nicht so freihĂ€ndig behaupten, dazu mĂŒssten die Kunstwerke versichert oder verkauft werden, was kein Thema sei.

Keine RĂŒckkehr

Als die ungarische Regierung 2013 alle in staatlichen Museen verwahrten Objekte auf ihre Herkunft ĂŒberprĂŒfen wollte – um sie gegebenenfalls den rechtmĂ€ĂŸigen EigentĂŒmern zurĂŒckzugeben, hoffte Esterhazy auf KlĂ€rung offener Fragen. Man habe dem ungarischen Staat angeboten, „die wertvollen SammlungsgegenstĂ€nde weiterhin in Ungarn zu belassen“, erlĂ€utert Esterhazy-Kulturdirektor Karl Wessely. Im Gegenzug erwarte man „freien Zugang fĂŒr Forschung und Wissenschaft und die Bereitschaft Ungarns, die Sammlungsteile gemeinsam mit den in Forchtenstein verbliebenen Teilen bei wichtigen Ausstellungen zusammenzufĂŒhren“ – so stellt Esterhazy demnĂ€chst in New York aus. Und Esterhazy will auch klipp und klar die EigentĂŒmerschaft fĂŒr die Objekte festgestellt bekommen.

Statt konkreter Verhandlungen habe Ungarn 2016 „die 70 wichtigsten Teile“ der 260 Objekte aus dem Budapester Kunstgewerbemuseum nach Fertöd ins Schloss EsterhĂĄza transferiert. Dort seien die Objekte weder sicher noch zugĂ€nglich, weil im Keller gelagert, ist Esterhazy alarmiert – und hat geklagt.

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