"Es bleibt nichts unverwertet": Wenn aus Mist Strom wird

Der größte Stiermastbetrieb des Landes liefert Energie für mehr als 1000 Haushalte.

Die Jungstiere werden angekauft und im Betrieb von Haller gemästet. Das Futter kommt Großteils aus dem Naturschutzgebiet bei der Lafnitz In den Rundbogenhallen werden die Stiere in Gruppen gehalten

Die grünen Bogenhallen sehen auf dem ersten Blick nicht nach Stall aus, eher wie ein Flugzeughangar. Doch Strohballen türmen sich davor und auch die Landluft verrät, dass es sich um eine Landwirtschaft handelt. Sieht man in die Hallen, blicken einem schon die Stiere entgegen. "Unsere Tiere sind sehr ruhig und an die Leute gewöhnt", erklärt Christoph Haller und streichelt einem weißen Stier über den Kopf.

Haller ist nicht nur Landwirt, er ist Tierarzt und Energieproduzent, in den vergangenen Jahren hat er einen Kreislauf geschaffen, der Naturschutzgebiete pflegt, Rindfleisch liefert und Energie produziert. "Vergleichsbetriebe mit dieser Kreislaufwirtschaft gibt es in der gesamten EU keine."

2006 wurde die erste Rundbogenhalle in Markt Allhau, Bezirk Oberwart, für den Stiermastbetrieb aufgestellt. Heute sind es 15, sie bieten Platz für mehr als 1500 Stiere. "Wir produzieren etwa 15 Prozent des Rindfleischbedarfs des Burgenlandes", sagt Haller. Gehalten werden die Stiere in Gruppen, gefüttert wird ausschließlich regional mit wenig Maisfutter, sagt Haller. Das Fleisch geht an große Handelsketten.

Die Tiere werden nach neuesten Standards gehalten und müssen auch nicht auf einem Spaltenboden stehen, es wird täglich frisch eingestreut. "Für die Streu und hochwertiges Futter bewirtschaften wir rund 250 Hektar Naturschutzgebiet neben der Lafnitz", sagt Haller. Außerdem würde Pferdemist aus Wien abgenommen, aufbereitet und als Einstreu verwendet.

Biogas

Dadurch entstehen riesige Mengen an Mist. "Das ist die Grundlage für unsere Biogasanlage", sagt der Tierarzt. Bis zu 1000 Haushalte versorgt der Betrieb pro Jahr mit Strom, ohne Lebensmittel für die Energiegewinnung zu benötigen. Die Gülle, die bei der Stromerzeugung übrig bleibt, wird als Dünger verwendet oder getrocknet. "Daraus filtern wir zuerst das Wasser, was übrig bleibt wird in der Blumenerdenherstellung statt Torf verwendet", sagt Haller.

"Wir haben einen Kreislauf, in dem nichts unverwertet bleibt", sagt Haller. Sonst wäre der Betrieb mit sieben Mitarbeitern nicht wirtschaftlich. In den vergangenen Jahren hat der Veterinär rund zehn Millionen Euro in die Anlage investiert: "Wir sind auf dem neuesten Stand der Technik."

Wegen der Größe des Betriebs gebe es oft kritische Stimmen. "Haltungsform und Tierschutz sind keine Frage der Bestandsgröße", sagt Haller. Seinen Tieren gehe es gut, "sonst würde auch die Fleischqualität nicht passen", meint der Tierarzt.

(kurier) Erstellt am
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