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Chronik Burgenland
08/22/2019

Energie Burgenland beendet letztes Geschäft mit US-Investoren von 2001

Die vermeintlich risikoarmen Cross-Border-Geschäfte wuchsen sich zur Belastung aus; jetzt kann die Energie Burgenland wieder auf 100 Mio. Euro zugreifen, die "eingefroren" waren

von Thomas Orovits

Die Energie Burgenland (EB) schließt ein weiteres Kapitel ihrer Vergangenheitsbewältigung. Der 2012 aus der Fusion von Bewag und Begas entstandene Energieversorger steigt endgültig aus US-Leasinggeschäften aus, die 2001 abgeschlossen wurden. Der EB-Vorstand hat sich am Mittwoch vom Aufsichtsrat das Okay geholt, das letzte der drei Geschäfte zu beenden. Wirksam sollte der Ausstieg spätestens in zehn Tagen werden, hieß es zum KURIER aus dem mehrheitlich im Eigentum des Landes stehenden Unternehmen.

Cross-Border-Leasing-Geschäfte grassierten vor rund 20 Jahren allerorten, auch die Bewag versuchte unter dem damaligen Vorstandsduo Anton Schubaschitz und Günter Ofner auf den Zug aufzuspringen.

99 Jahre Laufzeit

Zwei US-Investoren wurde 2001 in drei Tranchen für 99 Jahre ein Fruchtgenussrecht am Übertragungs- und Verteilnetz der Bewag mit sofortiger Rückvermietung an das Unternehmen für 28 Jahre mit anschließender Kaufoption eingeräumt. Die Bewag blieb während der Mietzeit rechtlicher Eigentümer, Betreiber und Verfügungsberechtigter des Netzes. Die Hoffnung, aus einem als risikoarm eingestuften Geschäft einen zweistelligen Millionenerlös zu erzielen, verpuffte in der Wirtschaftskrise. 2010, unter einem neuen Bewag-Vorstand, willigte einer der beiden US-Investoren ins vorzeitige Ende ein, die Kostenbelastung für die Bewag aus den Leasing-Deals wurde damals mit rund 35,8 Millionen Euro beziffert.

Wie hoch die Verluste unterm Strich sind, nachdem auch der zweite US-Investor dem Ausstieg zugestimmt hat, war am Mittwoch nicht zu erfahren. Aber die EB könne nun wieder für Investitionen auf 100 Millionen Euro zugreifen, die in einem Depot für allfällige Zahlungen hinterlegt waren.

„Mit der vorzeitigen Beendigung der 2001 abgeschlossenen US Cross Border Lease-Transaktion wird es in den kommenden Jahren positive Auswirkungen auf die Finanzergebnisse der Energie Burgenland geben“, betonte denn auch EB-Vorstandsvorsitzender Michael Gerbavsits.