Chronik | Burgenland
22.01.2012

Eiswein: Heiß ersehnter Frost im Weingarten

Auch wenn die Winzer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben haben – heuer dürfte es keinen Eiswein geben.

Schön langsam wird’s eng, um nicht zu sagen: Zu spät, du rettest den Eiswein nicht mehr. Denn der Winter kommt und kommt nicht – zumindest nicht ins Burgenland. Eine Chance hätte Christian Zechmeister – er ist nicht Meteorologe, sondern Geschäftsführer von Wein Burgenland – dem süßen Stoff noch gegeben: Und zwar beim letzten Vollmond. Da sollte laut Zechmeister erfahrungsgemäß die kälteste Nacht des Jahres sein. Daraus wurde nichts und „daher fürchte ich, dass wir heuer auf Eiswein verzichten werden müssen“.

Auf minus sieben Grad müssten die Temperaturen fallen. Das ist aber nur eine Empfehlung, denn im Weingesetz steht, dass die Trauben im gefrorenen Zustand geerntet und verarbeitet werden müssen. „Und bei minus sieben Grad ist das fast immer der Fall“, erklärt Zechmeister. Günstig wäre es jedoch, dass es bereits Tage vorher Temperaturen unter Null hätte.

Künstlich

Doch könnte man nicht dem Wetter einen Streich spielen und die Trauben in große Kühlanlagen legen, um sie künstlich zu frieren, so wie es eines unserer Nachbarländer gerne praktiziert hat? „Das ist auch in Italien verboten“, sagt der Geschäftsführer. In China hingegen sei das nach wie vor üblich. Hier in Österreich ist man der Meinung, „dass dieses hochwertige Produkt von der Natur kommen soll“.

 

Schadensbegrenzung

Die Nerven bewahren heißt es jetzt für die Winzer. Auch für Hans und Christine Nittnaus aus Gols. Sie „hoffen schon noch“ auf eine Eisweinlese. Die Ausgangslage sei optimal. „Das Stielgerüst ist noch gut und da es fast keine Botrytis gab, ist das Traubenmaterial noch sehr gesund.“

Die Familie gibt nicht auf. Rund eine Woche wird sie noch auf tiefe Temperaturen warten – und hoffen. Falls die Trauben bis dahin nicht gefrieren, wird gelesen. Und zwar Spätlese. „Dann müssen wir Schadensbegrenzung machen“, sagt Nittnaus. Abgesehen von den finanziellen Einbußen – eine Flasche Eiswein kostet 12 bis 15 Euro, während Spätlesen um rund 7,40 Euro verkauft werden – sei es auch fürs Image ein Problem.

Sollten die Winzer doch noch zum Zug kommen, müssen sie bei der Ernte unschneller sein als sonst. Chardonnay, Grünen Veltliner, Weißburgunder und Welschriesling hat Nittnaus auf einer Fläche von vier Hektar für Süßweine im Weingarten hängen lassen, um Beeren- und Trockenbeerenauslese und Eiswein zu vinifizieren.

Da aus den Auslesen aufgrund der Witterung nichts mehr wird, versucht man nun, aus allen Trauben Eiswein zu machen – also vier Hektar möglichst auf einmal zu ernten. Eine Herausforderung für sämtliche Akteure. Rund 20 Helfer müssen organisiert werden – und das bei wachsender Ungewissheit, ob es im Burgenland demnächst überhaupt kalt genug wird.