Chronik | Burgenland
07.06.2018

Ex-Primar muss für Fehler von 1990 zahlen

Das Land Burgenland wollte sich bei einer Schadenersatzklage am Mitbegründer der sanften Geburt schadlos halten

„Haben Sie sich nicht überlegt, wie Sie da wieder rauskommen?“, wollte Richter Martin Mittermayer von Wolf Jaskulski wissen. „Schon“, gab der mittlerweile 77-jährige frühere Gynäkologie-Primar freundlich zurück, „aber ich wüsste nicht wie“. Eine gute Stunde später war das Wie im Saal 9 des Landesgerichts Eisenstadt geklärt.

Am Mittwoch wurde eine Causa wieder aufgenommen, die fast drei Jahrzehnte zurückliegt. Jaskulski, streitbarer Verfechter der sanften Geburt, war damals Leiter der Gynäkologie am Krankenhaus Oberpullendorf und bis obenhin mit Arbeit zugeschüttet. Eine Folge waren Geburtskomplikationen, wobei Jaskulski sagt, die Komplikationsrate sei unter dem Bundesschnitt gelegen. 1993 wurden er und zwei Hebammen wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und einer fahrlässigen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Mitte der 1990-er Jahre stieg der charismatische Gynäkologe aus der Medizin aus.

Die damalige Körperverletzung betraf ein seit der Geburt 1990 behindertes Mädchen, deren Familie für die jetzt 28-jährige Frau den Verdienstentgang einklagt. Das Land Burgenland, das schon rund 260.000 Euro bezahlt hat, wollte diese neue Forderung an Jaskulski weiterreichen und hatte eine Regressklage nach dem Dienstnehmer-Haftpflichtgesetz gegen den ehemaligen Arzt eines Landesspitals eingebracht.

Mittermayer, der an seiner „Hartnäckigkeit, ein Ergebnis zu erzielen“, keinen Zweifel ließ, und die Anwälte Michael Wagner (Hajek Boss Wagner) fürs Land und Jaskulskis Vertreter Andreas Jeidler (Kanzlei Kölly) überzeugten den Ex-Primar von dieser Lösung: Er zahlt 50.000 Euro in monatlichen Raten zu 500 €, dafür sind alle wechselseitigen Ansprüche zwischen Land und Jaskulski „verglichen und bereinigt“ und das Land hält ihn „schad- und klaglos“, sollte die Familie der Frau künftig Forderungen an ihn stellen. „Ich muss den Herren gratulieren“, endete Mittermayer; Jaskulski war „immens erleichtert“. Er wisse heute, dass er sich damals zuviel aufhalsen ließ und besser rechtzeitig zurückgetreten wäre.