Kein Allheilmittel für mehr Hausärzte

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In den nächsten fünf Jahren gehen im Burgenland 73 der landesweit 143 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Pension

Parndorf ist kein Ort, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Dennoch ist es auch in der burgenländischen Boom-Gemeinde mit aktuell fast 5000 Bewohnern ein zähes Unterfangen, Allgemeinmediziner anzulocken.

Derzeit praktizieren in der Outlet-Kommune zwei Kassenärztinnen und eine Wahlärztin. „Wir brauchen einen weiteren Kassenarzt“, drängt Bürgermeister Wolfgang Kovacs. Denn bereits zum vierten Mal musste die Stelle eines dritten Kassenarztes ausgeschrieben werden, war von Ärztekammer-Vizepräsident und Landarzt Michael Schriefl am Dienstag im Rahmen einer parlamentarischen Enquete im Eisenstädter Landtag zu hören. „Wenn sich bei uns niemand findet, verstehe ich die Welt nicht mehr“, hadert Parndorfs Ortschef Kovacs – zumal eine der beiden aktuellen Kassenärztinnen bald in Pension geht und sich damit erneut eine Lücke auftut.

Weil Parndorf überall ist – in den nächsten fünf Jahren gehen 73 der landesweit 143 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Pension – hatte die vereinigte Opposition die Enquete beantragt. Thema: „Gesundheitsversorgung in der ländlichen Region: Den Hausarzt flächendeckend im Burgenland erhalten“. Experten sollten nach der alarmierenden Diagnose erfolgversprechende Therapien vorschlagen. Neben Schriefl, den die FPÖ nominiert hatte, lieferten Österreichs Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres für die SPÖ, Ärztevertreter Karlheinz Kornhäusl für die ÖVP und Stephanie Poggenburg von der Uni Graz für die Grünen Fachbeiträge.

Kein einfaches Rezept

Allheilmittel konnten die Mediziner dann freilich keines anbieten. Es bedürfe vielmehr eines „riesigen Maßnahmenpakets“, verwies Poggenburg auf eine ernüchternde Umfrage unter Medizinstudenten und Turnusärzten, wonach nur zwei Prozent „sicher Hausarzt“ werden wollen. Ganz neu war der Inhalt des Pakets nicht, vieles wurde schon oft genannt. Die Palette reicht vom erleichterten Zugang zum Studium über kürzere Wartezeiten auf den Turnusplatz bis zu finanziellen Anreizen wie der besseren Honorierung der Leistungen durch Krankenkassen. Dass es zu wenige Ärzte gebe, stellte Kornhäusl in Abrede. 2017 habe es an der Medizin-Uni Wien 1218 Absolventen gegeben, aber 460 davon seien heuer in Österreich nicht ärztlich tätig. Das sei ein „volkswirtschaftlicher Wahnsinn“, koste das Medizin-Studium doch rund 500.000 Euro pro Person.

Für SPÖ-Gesundheitslandesrat Norbert Darabos gehören die Aufnahmetests fürs Medizinstudium dennoch „dringend abgeschafft“. Ansonsten will er mit finanziellen Anreizen gegen den Landarztmangel vorgehen. Zu schon bekannten Zuschüssen für Studenten und Turnusärzte kündigte der Landesrat eine Förderung von bis zu 60.000 Euro für Landarzt-Praxen an. Heuer sind dafür 170.000 Euro budgetiert, 2019 schon 600.000 Euro.

( kurier.at , thor ) Erstellt am 09.05.2018