Ein flexibler Tagesvater

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Im Burgenland gibt es zur Betreuung von Kindern erstmals auch einen Tagesvater. Der Bedarf an Tagesmüttern bzw. -vätern steigt.

Lisa und Julian, beide acht Jahre alt, sitzen bei den Hausaufgaben. „Zwei Beispiele in Mathe und einen Deutschaufsatz müssen wir machen“, sagt Lisa. Alexander Kientzl, 41, schaut den beiden über die Schulter, fragt, ob sie etwas brauchen. Kientzl ist der erste Tagesvater des Burgenlandes. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Beigelböck, 24, betreut er derzeit sechs Kinder im Alter zwischen zwei und acht Jahren.

„Eigentlich sind wir auch die erste Tagesfamilie“, lacht Beigelböck. An die Bedürfnisse der Eltern angepasst, betreuen sie deren Sprösslinge. „Unser Arbeitstag beginnt meist um 6.45 Uhr. Da kommen die ersten Kinder. Manche bleiben bis 18 Uhr“, erklärt Kientzl im Gespräch mit dem KURIER. Der gelernte Koch und Kellner und seine Lebensgefährtin – sie ist ausgebildete Kindergartenpädagogin – teilen sich sämtliche Aufgaben bei der Betreuung ihrer Schützlinge. „Anfangs waren die Kinder schon verwundert, dass ich am Herd stehe und ihnen ein Mittagessen koche“, lacht Kientzl. Auch die Eltern seien zu Beginn etwas skeptisch gewesen. Doch mittlerweile haben sie sich als Tagesfamilie einen Namen gemacht.

Fernsehen und Computerspielen stehen bei der Tagesfamilie nicht am Programm. „Wir spielen mit den Kindern, gehen viel an die frische Luft und es wird gemeinsam gebacken und gekocht.“ Bei den Betreuungszeiten sind die beiden flexibel. „Manchmal bleibt ein Kind nur für einen Monat, andere sind schon zwei Jahre bei uns.“ „Reich“ werde man als Tagesfamilie nicht, sagt Beigelböck, die samstags auch in einem Elektromarkt arbeitet.

Bedarf

Das Paar ist seit 2009 bei dem Verein Tagesmütter angestellt. „Unsere Tagesmütter - bzw. väter sind alle versichert“, sagt Christa Varga, Projektleiterin des Vereins. 380 Euro bekomme eine Tagesmutter pro Kind für die Ganztagesbetreuung. „Der Bedarf steigt ständig, in Mattersburg könnten wir noch Leute brauchen“, sagt Varga. Mit 180.000 Euro pro Jahr fördert das Land den Verein. „Die Tagesmütter tragen wesentlich zur Kinderbetreuung bei. Wir haben auch bei der Qualität die Nase österreichweit vorn“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Ingrid Salamon. Heute, Dienstag, werden langjährige Tagesmütter vom Land geehrt. Darunter ist auch die Längstdienende – sie ist seit 20 Jahren dabei.

Erstellt am 13.12.2011