Ein Cop, der über den Tellerrand schaut

Oberst Christian Knopf leitet im Rahmen einer EU-Mission das Österreich-Team.

Oberst Christian Knopf hat seinen Schreibtisch in Eisenstadt für ein Jahr gegen einen Arbeitsplatz im rund 920 Kilometer entfernten Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, eingetauscht. Der Leiter der Einsatz-, Grenz- und Fremdenpolizeilichen Abteilung in der Landespolizeidirektion Burgenland lenkt seit 1. März das zwölfköpfige österreichische EULEX-Kontingent – und folgt in dieser Funktion dem Stinatzer Johann Zsifkovits.

EULEX (European Union Rule of Law Mission) ist eine Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union, die 2008 begonnen wurde und voraussichtlich im Juni 2014 endet. Polizisten, Richter, Gefängnisaufseher und Zollbeamte aus EU-Staaten sollen dem jungen Balkan-Staat beim Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung helfen. Insgesamt 1250 internationale Polizisten sind im jungen Balkan-Staat im Einsatz, „Amtssprache“ ist Englisch. Knopf wird vermutlich als Berater in der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Verkehrsangelegenheiten tätig sein, „die genaue Zuteilung erfahre ich aber erst vor Ort“, sagte der 55-Jährige kurz vor seiner Abreise zum KURIER.

Grenzenlos

Über den Tellerrand zu schauen, hat Knopf im Burgenland gelernt. Das klingt nur auf den ersten Blick paradox, denn mit der Ostöffnung habe sich auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Ungarn, der Slowakei und Slowenien intensiviert. „Da kommt man auf den Geschmack“, betont Knopf. Die Kooperation funktioniere mittlerweile „sehr gut“, speziell mit Ungarn. Knopf war darüberhinaus auch Teil eines Teams, das die Einhaltung der Schengen-Standards auf europäischen Flughäfen überprüft.
Wie kommt man überhaupt in den Kreis der Polizisten für Auslandseinsätze? Einmal jährlich findet eine Polizei-interne Ausschreibung statt, Knopf hat sich beworben, ein Auswahlverfahren durchlaufen und befindet sich seither in einem Pool potenzieller Auslands-Cops.

Der österreichische Einsatz am Balkan soll auch die Kollegen daheim etwas entlasten, weil der organisierten Kriminalität und dem Schlepperunwesen bereits weit vor den heimischen Grenzen das Wasser abgegraben werden soll.
Ob der Einsatz im Kosovo auch Gefahren birgt, kann Knopf noch nicht abschätzen, aber „wir werden sicher nicht nur im Büro sitzen“. Auch wenn das Engagement voraussichtlich ein Jahr dauert, zwischendurch kann Knopf seine Familie in Bad Sauerbrunn besuchen. Denn die vier freien Tage pro Monat werden gesammelt, bis sich eine Kurz-Visite rentiert.

( Kurier ) Erstellt am 03.03.2013