Chronik | Burgenland
01.09.2018

Doskozil wird erster SPÖ-Chef aus dem Landessüden seit 1960

SPÖ-Landesparteitag: Am 8. September soll Hans Peter Doskozil den seit 2000 amtierenden Hans Niessl ablösen.

Es kann nur ein Zufall sein, dass der ORF Burgenland mit einer langjährigen Tradition bricht und sein alljährliches Herbstfest heuer erstmals nicht rund ums Eisenstädter Funkhaus ausrichtet, sondern in die Messehalle Oberwart verlegt und Johnny Logan auftreten lässt – just einen Tag, nachdem die SPÖ am selben Ort mit dem Südburgenländer Hans Peter Doskozil einen neuen Landesparteichef wählt.

Wie auch immer – massentauglich sind offenbar beide, der Popstar und der Politiker, weshalb der rote Parteigeschäftsführer Christian Dax auch den Parteitag am Samstag, den 8. September, als „Megaevent“ tituliert, bei dem mit einem Wechsel an der Parteispitze das Ende der „Ära“ von Hans Niessl (67) eingeläutet wird. Wann der zweite, finale Akt folgt und Doskozil auch Landeshauptmann wird, ist noch offen, wird aber allgemein im ersten Quartal 2019 erwartet.

Megalang war übrigens auch die Zeit ohne roten Parteitag, der laut Statut mindestens in jedem dritten Kalenderjahr einzuberufen ist. Weil der letzte Parteitag aber bereits im Herbst 2014 stattgefunden hat, hatte der Parteivorstand schon im Vorjahr eigens die Verlängerung der Frist abgesegnet.

Bisher seien mehr als 1400 Gäste angemeldet, üblich seien bei Parteitagen 500 bis 600, sagte Dax. Fast die gesamte SPÖ-Spitze kommt in Doskozils Heimatbezirk, darunter SPÖ-Bundeschef Christian Kern, die Landeshauptleute Michael Ludwig aus Wien (samt Vorgänger Michael Häupl), der Kärntner Peter Kaiser und die 2. Nationalratspräsidentin Doris Bures.

Niessl, der die SPÖ seit 2000 führt und ebenso lange Landeshauptmann ist, wird den 335 Delegierten Doskozil als Nachfolger vorschlagen. Ob Doskozil wie weiland Niessl beim ersten Antreten (auch in der Messehalle) 100 Prozent erreicht, wird in der SPÖ als nicht so wichtig heruntergespielt. „Alles, was auf 100 Prozent zugeht“, ist für Dax sensationell. Neu gewählt werden auch die vier Stellvertreter; die 2015 und 2017 aus der Regierung ausgeschiedenen Peter Rezar (er verzichtet auf eine Teilnahme am Parteitag) und Helmut Bieler werden durch Landesrätin Astrid Eisenkopf und Landtagspräsident Christian Illedits ersetzt, die Landesräte Verena Dunst und Norbert Darabos sollen vorerst bleiben.

Der 48-jährige Jurist Doskozil wird neunter SPÖ-Vorsitzender seit 1945 – nur einer kam bisher aus dem Südburgenland: Der 1895 in Kleinpetersdorf geborene Alois Wessely, gelernter Maurer, stand von 1946 bis 1960 an der Spitze. Erst vier Jahre später unter Hans Bögl eroberte die SPÖ den Landeshauptmann – Doskozil muss ihn nun verteidigen.