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Chronik Burgenland
07/23/2020

Doppelmord im Burgenland: Motiv war Überlastung

59-Jähriger tötet in Strebersdorf (Bezirk Oberpullendorf) Frau und Mutter - und begeht Selbstmord. Die Ermittlungen laufen.

von Roland Pittner

Die Bluttat hat sich am Mittwochabend in Strebersdorf (Bezirk Oberpullendorf) zugetragen. Ein 59-jähriger Mann soll seine 64-jährige Frau und seine 92-jährige Mutter getötet haben. Er habe kurz nach 21.30 Uhr einen Notruf abgesetzt und den Beamten dabei mitgeteilt, dass er seine Frau und seine Mutter umgebracht habe, berichtete die Landespolizeidirektion Burgenland.

Im Zuge des Gesprächs habe er auch seinen Suizid angekündigt. Der Mann habe sich nach dem Notruf in einem Waldstück bei Lockenhaus das Leben genommen, so die Polizei.  

Die beiden Opfer konnten an der Wohnadresse der Mutter nur noch tot aufgefunden werden. Das Landeskriminalamt hat Ermittlungen aufgenommen, der Tatort ist abgesperrt. Wie die Polizei am Donnerstagnachmittag mitteilt, dürfte der Mittelburgenländer die beiden Frauen erwürgt haben. Da sie in unterschiedlichen Schlafräumen gelegen hatten, "dürfte die eine von der anderen nichts mitbekommen haben", erklärt ein Polizeisprecher. 

„Ich bin geschockt, wir haben es erst heute in der Früh mitbekommen“, schildert eine Nachbarin dem KURIER. Der Mann sei im Ort bekannt gewesen. Seine Mutter und Ehefrau waren pflegebedürftig und auf einen Rollstuhl angewiesen. Er habe sie schon seit vielen Jahren gepflegt. Der Tatort liegt in einer Nebengasse der Gemeinde, im Haus der Mutter in Strebersdorf wurden die Leichen der beiden Frauen gefunden.

Täter wohnte in Lutzmannsburg

Auch das Haus des mutmaßlichen Täters in Lutzmannsburg wurde von den Ermittlern durchsucht und versiegelt. „Wir haben das Blaulicht gesehen, wussten aber noch nicht was passiert ist“, sagt eine Nachbarin. Sie kannte die Familie gut: „Sie waren alle eigentlich sehr nett. Es ist schon eine große Tragik dahinter, die beiden Frauen waren schwer krank.“

Eine weitere Lutzmannsburgerin beschreibt den Mann im Gespräch mit dem KURIER als liebevollen Mann, der sich immer gut um Frau und Mutter gekümmert habe. „Vielleicht ist es ihm einfach zu viel geworden, sie hatten zwar zwei Pfleger aus Rumänien, die konnten wegen Corona allerdings nicht mehr kommen“, weiß die Nachbarin. Auch die Polizei bestätigt diese These, das Tatmotiv dürfte Überlastung mit der Pflegesituation gewesen sein. Obduktion wurde keine angeordnet. Derzeit laufen die Ermittlungen noch, der Fall dürfte laut Polizei aber bald abgeschlossen werden.

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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