Chronik | Burgenland
01.09.2018

„Die Welle“: Direktorin verteidigt Lehrer

Leiterin der Neuen Mittelschule Zurndorf meldet sich zu Wort: Schüler hätten Spiel geschickt verheimlicht

Immerhin: Eine Woche vor Schulbeginn informierte die Direktorin der Neuen Mittelschule in Zurndorf, Burgenland, mit einem Schreiben die Eltern. Es ist jene Schule, in der Schüler den Film „Die Welle“ – worin blinder Gehorsam gegenüber einem totalitären System gezeigt wird – nachspielten. Nicht nur im Unterricht. Auch in den Pausen. Ein Verfahren wegen Wiederbetätigung ist bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt gegen sechs Schüler anhängig. Die Direktorin, die sich bisher offiziell nicht geäußert hatte, findet nun klare Worte – zum Schutz des Lehrerteams.

Aufpasser?

In der Elterninformation heißt es: „Möglicherweise durch den Film ,Die Welle’ ausgelöst, spielte eine Schülergruppe während der großen Pause Sequenzen mit nationalsozialistischem Hintergrund. (...) Selbstverständlich war der Gangdienst aktiv. Von SchülerInnen, die die Rolle des ,Aufpassers’ übernahmen, wurde den ,Spielern’ das Nähern der Lehrperson gemeldet und ein harmloses Ballspiel vorgetäuscht.“

Letzteres verwundert Rechtsanwalt Andreas Schweitzer. „Das wirkt so, als wollte man jetzt die Schuld auf die Schüler abwälzen. Mir liegt der Abschlussbericht zwar noch nicht vor, aber eine derartige Aussage über einen Aufpasser, ist mir nicht bekannt.“

Im Gegenteil: Mehrere Tage spielten die Schüler in den Pausen unbehelligt den Film im Gymnastikraum nach. Auch Schüler der Parallelklasse stießen dazu – und wurden als „Juden“ eingeteilt. Wer nicht spurte, musste in die „Gaskammer“ im Mattenraum. Eine Lehrerin, die auf den Lärm aufmerksam wurde, sprach eine Ermahnung aus. Was hinter dem Lärm steckte, blieb ihr aber anscheinend verborgen.

Die Schulleitung war es schließlich, die im März Anzeige erstattet hatte. „Nach Beurteilung der Sachlage war die Schule verpflichtet, eine Meldung an die Polizei zu tätigen (...)“ . Seit damals warten die Eltern darauf, dass das Thema bei einem Elternabend besprochen wird. Davon wurde „auf Empfehlung von Experten“ abgeraten.

Die Ermittlungen sind in dem Fall zwar abgeschlossen, ob es eine Anklage gibt, ist aber noch unbekannt – der Akt liegt aktuell bei der Oberstaatsanwaltschaft.