Im Ententeich werden gezüchtete und wilde Enten gefüttert; bei der Entenjagd werden sie geschossen

© /Roland Pittner

Porträt
10/16/2016

"Die Leute gehen gern ins Gatter"

Mensdorff-Pouilly über die Jagd im Gatter, die Fasanenzucht und die Anzeigen der Tierschützer.

von Roland Pittner

Im grünen Landcruiser mit beiger Lederausstattung geht es über Privatstraßen ins Revier. "Das ist alles noch mein Land", sagt Alfons Mensdorff-Pouilly und zeigt auf die Felder bei Luising im Südburgenland. Er hält, um mit Spaziergängern zu tratschen, grüßt freundlich und erzählt von seinen ungebetenen Besuchern, die seine Idylle immer öfter stören. Schranken schirmen das Jagdgebiet ab, trotzdem seien die Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) rund um Obmann Martin Balluch, "gefühlt ständig hier und fliegen auch mit Drohnen herum".

Prozess

Im Vorjahr kam es zum Zivilprozess zwischen dem ehemals Landadeligen und den Tierrechtsaktivisten. Die Besitzstörungsklage endete mit einem Vergleich, dass Balluch den Grund des Jagdherren nicht mehr betreten und auch niemanden seiner Mitstreiter dazu anstiften darf. Besiegelt wurde das Urteil mit einem Handschlag. Doch mit Beginn der Jagdsaison scheint diese Abmachung vorbei zu sein.

Gleich mehrere "Missstände" hat der VGT heuer schon aufgezeigt. Mensdorff-Pouilly hält am Ententeich, der ihm eine Anzeige einbrachte, weil die Enten dort durch einen Elektrozaun eingesperrt seien. "Der Zaun ist zum Schutz der Vögel vor Füchsen und Mardern, die Enten können jederzeit rausfliegen", sagt der Jagdherr. Auch die Volieren, in denen der Lobbyist Fasane und Rebhühner züchten lässt, zeigt er. "Es ist alles legal, glauben Sie, meine Berufsjäger würden ihren Job riskieren, wenn sie etwas Illegales machen?"

Aus Sicht der Tierschützer personifiziert Mensdorff alles, gegen das der Verein eintritt. Er organisiert Jagden im Gatter und lässt seine Jagdgäste auf gezüchtete Fasane und Rebhühner schießen. Für die Tierrechtler eine Katastrophe, unmoralisch und nicht mehr zeitgemäß. Für Mensdorff-Pouilly ein Geschäft.

Nachfrage

"Die Leute gehen gern ins Gatter und auf Niederwildjagd", sagt der Jagdherr, der selbst kaum im südburgenländischen Revier auf die Pirsch geht. "Meistens bin ich ja nicht hier, wenn Jagden sind, ich habe selbst so viele Jagdeinladungen, dass ich gar nicht allen nachkommen kann", sagt Mensdorff, der in Schottland ein Jagdschloss samt Revier besitzt. Dort gebe es übrigens keine Probleme mit Tierrechtsaktivisten, wie er sagt. Vor allem der Polizeischutz seiner Gatterjagden sorgte im Vorjahr für Aufregung. "Die Behörde hat das angeordnet, bei einer Jagd wird geschossen, wenn dann Tierschützer dort herumrennen, ist das gefährlich", sagt Mensdorff. Zur Jagd im Gatter steht er, immerhin misst die umfriedete Eigenjagd mehr als 60 Fußballfelder. "Es wird nur ein paar Mal dort gejagt, sonst ist Ruhe."

Ruhig geht es auch in Luising zu. Der Ortsteil von Heiligenbrunn hat knapp 70 Einwohner, hier ist "Graf Ali" gern gesehen, genau wie seine Jagdgesellschaften. Mit seinem Gutsbetrieb, der Forstwirtschaft und der Jagd beschäftigt er rund 20 Mitarbeiter auf österreichischer und ungarischer Seite. "Finanziell ist die Jagd für mich nicht notwendig", meint der Unternehmer. Mit seiner MPA Handelsgesellschaft ist er als Berater und Lobbyist international tätig. Korruptionsvorwürfe brachten Mensdorff des Öfteren in die Schlagzeilen und auch zwei Mal ins Gefängnis. Wie die Zusammenarbeit mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems, oder der Telekom-Skandal, in den er verwickelt war.

Egal ob Tierschützer oder Korruptionsvorwürfe, die Nachfrage nach den Jagden sei größer denn je. "Es ist fast, als ob DDr. Martin Balluch Werbung für meine Jagden macht." Heute würden Baumeister die Jagden buchen, oder Firmen aus dem Ausland ihre Kunden dazu einladen. Man komme bei der Jagd eben ins Gespräch "wie beim Golfspielen oder auf der Skihütte. Staatsbetriebe kommen aber keine mehr", sagt Mensdorff.

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