Chronik | Burgenland
11.09.2018

„Die Kanzlei“ sperrt zu: Güssing verliert einziges Haubenlokal

Philipp Kroboth zieht es nach Wien. In Güssing fehlen Fachkräfte und ideelle Unterstützung.

2015 verwirklichte sich Philipp Kroboth seinen Herzenswunsch: ein Lokal in seiner Heimat. Nur ein Jahr dauerte es, ehe der gelernte Jurist die erste Gault Millau-Haube für die „Kanzlei“ in Güssing erkochte, die Bewertung der Genussexperten („vielversprechender Neustart“) ließ auf mehr hoffen.

Anfang der Woche gab der Haubenkoch allerdings bekannt, dass sein Lokal schließen wird. „Mir blutet das Herz. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, allerdings gibt es gute Gründe, warum ich diesen Schritt setzen muss“, sagt der Gastronom. Vor allem die Suche nach geeignetem Küchen- und Servicepersonal sei immer schwieriger geworden. „Wir haben ein halbes Jahr nach Fachkräften gesucht, aber niemanden gefunden“, spricht Kroboth den immer größer werdenden Facharbeitermangel an. „Was wäre, wenn ich einmal krank geworden wäre? Die Zahlungen laufen weiter, aber das Lokal wäre zu geblieben, weil ich der einzige Koch im Team war.“

Abschied nach Wien

Neben der Problematik am Arbeitsmarkt sieht Kroboth in Güssing generell Nachholbedarf, was die Unterstützung von innovativen Projekten betrifft: „Da gab es keine bis wenig Unterstützung, der Wille zu Veränderung war kaum vorhanden. Das hat mir die Entwicklung des Standorts nicht leichter gemacht.“ Die „Kanzlei“ von Philipp Kroboth ist nach dem „Stadtcafé“ bereits das zweite Lokal in der Bezirkshauptstadt, das innerhalb weniger Wochen die Pforten schließt.

Persönlich geht es für Kroboth gastronomisch weiter, allerdings nicht im Südburgenland, sondern in Wien. „Ein Bekannter von mir hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie ich und hat mir ein gutes Angebot gemacht. An meinem ersten Tag hatten wir bereits 120 Essen, das ist eine andere Liga.“ Konkret schupft Kroboth jetzt im „Salon Plafond“ im ersten Bezirk in Wien mit einem Team von 18 Personen die Töpfe und Pfannen, der Schwerpunkt liegt auf „guter, internationaler Küche mit Fokus auf Österreich.“

Das Lokal in Güssing könnte weiterbestehen, allerdings nur, wenn Kroboth einen Nachmieter findet. „Die Einrichtung bleibt so, wie sie ist: Theoretisch kann man aufsperren und kochen.“ Ob sich allerdings jemand mit ähnlichem Herzblut wie Kroboth findet, steht in den Sternen.