"Die Jagd ist zeitgemäßer denn je"

Grundsätzlich gibt es keine Verschlechterung des Images. Nur Jagdgegner und Aktivisten versuchen negative Stimmung aufzubauen, m… © Bild: APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleu

Burgenlands Landesjägermeister Peter Prieler über Status quo und Entwicklung des Jagdwesens.

Die Jägerschaft steht im Fokus der Öffentlichkeit. Seien es Abschüsse von geschützten Greifvögeln oder die Jagd im Gatter. Landesjägermeister Peter Prieler spricht im KURIER-Interview über die Situation rund um Naturnutzer, Jagdverbote und die Arbeit am neuen Jagdgesetz.

KURIER: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

Peter Prieler:Die Jagd ist zeitgemäßer denn je. Wir müssen der Bevölkerung unser Tun erklären. Wie man Lebensmittel beschafft, ist total verloren gegangen. Auf den Bauernhöfen hat früher jeder Tiere gehabt. Der Lebenslauf war klar, zuerst die Tiere großziehen und dann wurden sie geschlachtet, weil wir Fleisch haben wollten. Der jetzigen Bevölkerung ist das komplett entglitten.

Wie steht die Jagd in der Öffentlichkeit da?

Grundsätzlich gibt es keine Verschlechterung des Images. Nur Jagdgegner und Aktivisten versuchen negative Stimmung aufzubauen.

Wie hat sich die Jagd in den vergangenen Jahren verändert? Einige Wildtierbestände haben sich massiv verändert. Wir erhalten oder vergrößern Bestände, wir wollen sie nicht verlieren und nicht nur schießen. Seit 60 Jahren schützen wir die Großtrappe, wir setzen uns dafür ein, obwohl wir sie nie mehr schießen werden. Wildschweine vermehren sich sehr gut durch den Maisanbau, auch Rehwild und Rotwild kommen gut zurecht. Sie machen aber auch Schaden im Wald.

Die Gatterjagd wird kritisiert, vor allem vom Verein gegen Tierfabriken. Wird sich rund ums Gatter in Zukunft etwas ändern?

Wir arbeiten gerade gemeinsam mit der zuständigen Landesrätin Verena Dunst (SPÖ, Anm.) an einem neuen Jagdgesetz. Bezüglich Gatter warten wir was im Gesetz steht und dann sehen wir weiter. Das Jagdgesetz wird von vorne bis hinten durchleuchtet. Fachleute der Landwirtschaftskammer, der Landesregierung, vom Forst und Naturschutz arbeiten daran. Das Problem sind die Extremaktivisten, denen es nur um Publicity geht und die die allgemeine Abschaffung der Jagd wollen, die werden wir nicht überzeugen können.

Wäre ein generelles Jagdverbot möglich?

Viele Tierschützer erklären immer im Kanton Genf funktioniert es. (dort ist die Jagd verboten Anm.) Aber nur weil dort professionelle, beamtete Schützen das Wild eliminieren. Das kostet im Jahr zwei bis drei Millionen Franken. Die Bestände müssen genauso reguliert werden, ob es klug ist, dass von beamteten Schießern zu erledigen, sei dahingestellt.

Im Lainzer Tiergarten sprach man von hormoneller Sterilisation, um den Wildbestand zu regeln, was halten Sie davon?

Es war ein Gedankenspiel in einem Kleinstgatter, Tierärzte haben erklärt, dass das so nicht funktionieren kann. Alle paar Wochen müssten die Tiere geimpft werden, in einer größeren Umgebung kann das nicht passieren. Außerdem wäre das Wildbret nicht mehr genussfähig.

Wer sind heutzutage die burgenländischen Jäger?

Es gibt sehr viele ältere Jäger, der Schwerpunkt liegt in den Jahrgängen von 1950 bis 1970, danach gibt es eine Lücke und dann kommen sehr viele Junge nach. Bei den Jungjägerkursen gibt es einen Trend sich zu informieren, es müssen nicht alle Jäger werden, aber sie wollen sich weiterbilden.

Fehlt es der Bevölkerung an Naturverständnis?

Durch den Biotrend profitieren auch wir Jäger. Die Leute haben wieder Verständnis dafür, wenn ich ein Reh essen will, muss es zuerst jemand schießen.

( kurier.at ) Erstellt am 19.03.2016