Chronik | Burgenland
13.10.2018

„Die Guten ins Töpfchen“: Prototyp trennt Kastanien

Verein D’Kästnklauba und FH Joanneum haben einzigartige Maroni-Sortieranlage entwickelt.

Seit rund 25 Jahren haben sich Stefan und Herta Pichler der gesunden Nuss verschrieben. Im Verein D’Kästnklauba engagieren sie sich nicht nur für den Erhalt der Kastanienbäume. „Wir sind beide Naturwissenschaftler – uns hat schon immer interessiert, wie man Kastanien das ganze Jahr über verfügbar machen kann“, erklärt das Professoren-Ehepaar. Bei der Maroniaufbereitung haben die Pichlers wissenschaftliche Unterstützung von der Fachhochschule (FH) Joanneum in Graz bekommen: Student Franz Auer hat eine einzigartige Sortiermaschine entworfen. Der Prototyp wurde am Freitag in der Heimatgemeinde der D’Kästnklauba, in Klostermarienberg (Bez. Oberpullendorf), präsentiert.

Nachdem die Bevölkerung ihre Kastanien bei den Pichlers abgeliefert hat, müssen die Früchte sortiert werden. „Bisher haben wir das immer händisch gemacht“, erklärt Stefan Pichler. Die Kastanien wurden dazu ins Wasser gelegt, die verdorbenen Früchte blieben an der Wasseroberfläche, die genießbaren gingen unter. Das händische Sortieren kostete nicht nur Zeit, sondern auch viel Körperkraft: In ertragreichen Jahren wurden bis zu sechs Tonnen Maroni von Hand aussortiert.

„Auch die neue Maschine funktioniert im Wesentlichen nach der Sink-Schwimm-Analyse“, erklärt Erfinder Franz Auer. Auf Förderschienen werden die „guten“ von den „schlechten“ Kastanien getrennt. Durch das neu entwickelte Strömungstrennverfahren werden die „schlechten“ Kastanien ausgeschieden.

15.000 Euro Kosten

Ein Jahr hat Auer im Rahmen seines Studiums „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“ an der Konstruktion der Anlage gearbeitet. Die Entwicklungsarbeit wurde großteils durch das Forschungsprojekt (FFG) am Joanneum erbracht. Die Kosten für die Herstellung in der Höhe von 15.000 Euro trägt der Verein D’Kästnklauba. Stefan Pichler hofft nun auf die vom Land zugesicherte 40-prozentige Förderung.

Trotz der neuen Sortiermaschine ist die Verarbeitung der Maroni ein aufwendiger Prozess. Ein Kilo der Frucht zu verarbeiten nehme etwa zwei Stunden Zeit in Anspruch. Die Kastanien müssen auch der Größe nach getrennt werden. Die kleinen werden zu Mehl verarbeitet, die mittleren und großen Früchte werden geschält und weiterverarbeitet bzw. konserviert. Dazu müsse man die Früchte neun Tage lang in kaltes Wasser legen.

Neben (haltbaren) Kastanien bietet der Verein Püree, Schokolade und Bier aus der Frucht an (siehe Zusatzbericht).

Einziger Wermutstropfen ist der heuer geringe Ertrag: „Durch die Pilzerkrankung bei den Kastanien haben wir so massive Einbußen wie noch nie“, sagt Stefan Pichler.

Lukullische Köstlichkeiten  beim „Klosterer Kastanienfest“

„Harte Schale, weicher Kern“:  Die Kastanie steht auch beim traditionellen „Klosterer Kastanienfest“ im Mittelpunkt. Das Event findet heuer am Nationalfeiertag zum 25. Mal im Ambiente des Klostergeländes von Klostermarienberg statt.  Sämtliche Vereine des Ortes – darunter  auch D’Kästnklauba – arbeiten an dem  Fest mit.
Dabei werden den Besuchern  unter anderem pikante und süße Kastanienschmankerl sowie  frisch gepresster Apfelsaft und Kastanienbier  kredenzt.  Angeboten wird zudem   Kastanienmehl aus heimischen Früchten, das in der Mühle der D’Kästnklauba gemahlen wird.  
Empfohlen wird vor dem Feststart um 12 Uhr ein Ausflug zum  wenige Kilometer entfernten Kastanienhain in Liebing. Die „Baumriesen“ auf dem dortigen „Kraftplatz“ sind rund 350 Jahre alt und haben einen Umfang von bis zu zehn Metern.  
Der Reinerlös des Festes kommt der Sanierung der  denkmalgeschützten   Klosteranlage zu Gute.
Infos: www.kastanienfest.at