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Chronik Burgenland
05/25/2019

Die ewigen Mühen der Landwirtschaft

Dürre, zu viel Regen, späte Frostnächte, Hagel – was die Bauern tun, um dem Wetter Herr zu werden

von Michael Pekovics

Kaum ist die Gefahr der Trockenheit für die Landwirtschaft gebannt, tauchen am Horizont bereits die nächsten dunklen Wolken auf, die auf das Gemüt der Bauern drücken. Durch die anhaltenden Niederschläge in den vergangenen Wochen gibt es vor allem unter den Gemüsebauern bereits Befürchtungen, dass sich die großen Regenmengen negativ auf die diesjährige Ernte auswirken könnten. Denn für die kommende Woche sind neuerlich teilweise ergiebige Regenfälle angesagt.

Schutz immer wichtiger

Die zunehmenden Wetterkapriolen der vergangenen Jahre zwingen die Landwirte zu teils kreativen Gegen- und Vorsorgemaßnahmen. Kommt es etwa im Frühjahr zu verspäteten Frostnächten, schützen Wein- und Obstbauern ihre Felder mit Feuer, deren Rauch sich quasi wie eine Isolierung über die Anbaugebiete legt. In der Steiermark sind immer wieder Flieger der Hagelabwehr unterwegs, um durch das Einbringen von Silberjodid direkt in die Unwetterzelle die Größe der Hagelkörner zu verringern. Die negativen Auswirkungen von starken Niederschläge können zum Beispiel durch Bearbeitung quer zum Hang oder Drainagen gemildert werden.

Generell wird laut Landwirtschaftskammer die richtige Arten- und Sortenauswahl immer wichtiger, beispielsweise bei langen Dürreperioden. Trockenheit kann bis zu einem gewissen Grad zwar durch Bewässerung ausgeglichen werden, das verursacht allerdings hohe Kosten und lohnt sich nicht für alle Betriebe und Regionen gleichermaßen.

Ananas aus dem Tunnel

In der Erdbeerregion Wiesen wurde bereits reagiert, heuer kommt rund die Hälfte der Ananas-Ernte aus Folientunneln. Das ist auch der Grund, warum die schweren Niederschläge vom vergangenen Wochenende die Ernte doch nicht in jenem Ausmaß zerstört hatten, wie zunächst befürchtet wurde. Direkt nach den Hagelunwettern war von 70 bis zu 100 Prozent Ausfall die Rede, mittlerweile wurde diese Zahl auf 50 Prozent reduziert.

„Dank der Folientunnel konnten wir unsere Ernte vor der Katastrophe bewahren“, sagt Michael Habeler, Obmann der Genussregion Wiesener Ananas Erdbeeren. Die Investitionen seien zwar teuer, schließlich koste die Ausstattung eines Hektars mit Folientunneln bis zu 250.000 Euro, würden sich aber lohnen. „Der Trend geht in diese Richtung, die Bauern wollen mehr Sicherheit in der Produktion haben“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich. Dazu gehören auch Versicherungen. „Wir haben vor Jahren die Hagelversicherung ausgebaut, in der Region sind rund 90 Prozent der Betriebe hagelversichert. Damit ist im Fall des Falles zumindest eine gewisse Entschädigung zu erwarten“, sagt Berlakovich.

Segen fürs Grundwasser

Grundsätzlich waren die ausgedehnten Niederschläge im Mai aber gut, denn dadurch konnte sich der Grundwasserspiegel nach der langen Trockenphase zumindest wieder etwas erholen. Inwieweit sich die starken Niederschläge im Mai auf die künftige Ernte auswirken werden, lässt sich laut Kammer derzeit noch nicht abschätzen.