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Chronik | Burgenland
07/13/2019

Die Drängler mit dem schlechten Gewissen aus dem Burgenland

Drei Viertel halten „nach Gefühl“ Abstand. 68 Prozent sagen, selbst zu drängeln. Aber jeder sechste fühlt sich dadurch gefährdet.

Wer kennt das im Straßenverkehr nicht: Man ist spät dran oder unaufmerksam – und schon klebt man regelrecht am Heck des vor einem fahrenden Fahrzeuges. Bei einer von der Asfinag in Auftrag gegebenen IFES-Studie gaben rund drei Viertel aller burgenländischen Autofahrer an, sich auf Autobahnen oder Schnellstraßen beim Abstand zum vorderen Fahrzeug lediglich auf das eigene Gefühl zu verlassen oder gar nicht darauf zu achten.

Schlechtes Gewissen

Ein zu geringer Abstand stresst aber die vor einem fahrenden Lenker – und das ist man nur allzu oft selbst. Zwei Drittel der Befragten gaben nämlich an, sich durch dichtes Auffahren und Drängeln anderer „gefährdet“ zu fühlen. Dennoch gaben fast sieben von zehn burgenländischen Autofahrern zu, innerhalb der vergangenen Monate selbst zu dicht aufgefahren zu sein und rund die Hälfte der Befragten gab an, dass das zu unvorhergesehenen Bremsmanövern geführt habe.

Tatsächlich ist ein zu geringer Sicherheitsabstand nach Ablenkung die zweithäufigste Unfallursache. Jeder fünfte Unfall mit Verletzungen in Österreich ist darauf zurückzuführen, im Vorjahr wurden 445 Vorfälle registriert, fünf Menschen kamen ums Leben.

Starker Anstieg

Die klare Empfehlung für den richtigen Abstand lautet „2 Sekunden“ – egal bei welchem Tempo. Bei 100 km/h legt man in dieser Zeit 50, bei 130 km/h sogar 70 Meter zurück. Bei der Befragung gab nur jeder 12. Burgenländer an, sich an diese Regel zu halten. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass „der richtige Abstand von der Geschwindigkeit abhängt, das ist beides oft sehr subjektiv“, sagt Friedrich Tinhof, stellvertretender Abteilungsleiter in der Landesverkehrsabteilung. „Wir führen laufend Abstandsmessungen auf der A3 und vor allem der A4 durch. Die Zahl der Delikte nimmt ständig zu.“ Im ersten Halbjahr 2018 wurden 2.840 Drängler erwischt, heuer waren es bereits knapp 3.100. Auf den Bundes-und Landesstraßen sei die Kontrolle aber schwerer, sagt Tinhof. „Ohne technische Geräte können die Beamten das nur bei dienstlicher Wahrnehmung ahnden.“

Mehr Verkehrstote

Generell ist das erste Halbjahr im burgenländischen Straßenverkehr negativ verlaufen. Von Jänner bis Juni mussten bereits zehn Todesopfer beklagt werden, wie eine aktuelle Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeigt. Das sind um vier mehr als im Vergleichszeitraum 2018, erstmals seit 2014 liegt die Anzahl der Todesopfer im ersten Halbjahr wieder im zweistelligen Bereich.