Dialekt im Burgenland: Das Ui lässt sich nicht unterkriegen

Ge-i-sta af d Nocht, heind in da Fria © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Die Mundart wird durch Pendeln und Zuzug bedroht, doch ein paar Unermüdliche steuern dagegen

„Tuits natuits, owa wia la(u)ng nau? “ Ach so, Sie verstehen nichts. Dann eben hochdeutsch: „Macht nur weiter so, aber wie lange noch“?

Das Hianzische, die burgenländische Mundart mit den in weiten Teilen Österreichs als putzig empfundenen typischen ui-Lauten, schien in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich auf verlorenem Posten. Schüler und Lehrlinge wurden in der ab 1989 aus dem toten Winkel Europas tretenden Region ebenso immer mobiler wie Arbeitnehmer, die ihrer Qualifikation entsprechende Jobs oft nur in den Ballungszentren Wien und Graz fanden.

Dazu kam der Zuzug ins Grenzland, zuletzt verstärkt von Ungarn und Slowaken. Sprachlichen Niederschlag fand diese pannonische Spielart der Dialektik des Fortschritts in zunehmender Verdrängung des aus dem Mittelhochdeutschen kommenden ostmittelbairischen Dialekts durch eine ostösterreichische Verkehrssprache, meist im Gewand „der Wiener Umgangssprache“, wie Erwin Schranz einräumt.

Dennoch ist der Präsident des 1996 gegründeten Burgenländischen Hianzenvereins und Ex-Landtagspräsident optimistisch, dass dieses sprachliche Alleinstellungsmerkmal erhalten bleibt. Wobei man präzisieren muss: Alleinstellungsmerkmal des deutschsprachigen Burgenlandes. Sind doch im bis 1921 westungarischen Landstrich auch Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Romanes beheimatet.

Nord-Süd-Gefälle

Was Schranz, der aus dem südburgenländischen Kernland der Hianzen (oder Heanzen) stammt, so zuversichtlich stimmt? Dass Burgenländer und Bauhackler längst keine Synonyme mehr sind, habe auch das kollektive Selbst- und Landesbewusstsein gestärkt. Und dazu gehöre nun einmal auch der landestypische Dialekt. Was früher Anlass zur Belustigung gab, werde heute als Besonderheit geschätzt – und gepflegt.

Nicht nur vom Hianzenverein, der sich dem Erfassen und Erforschen des Dialekts in mündlicher und schriftlicher Ausprägung verschrieben hat und jüngst ein Wörterbuch für die Jackentasche mit dem Titel „Da Säickl-Hianz“ aufgelegt hat und Vertretern seiner Generation, sagt der 67-jährige Schranz, sondern auch von Kindern und Jugendlichen: „SMS auf hianzisch“ etwa seien beim Nachwuchs gang und gäbe.

Mundart-Sammlung

Das scheint aber auch eine Frage des Standorts zu sein, denn im nordburgenländischen Zurndorf an der Ostautobahn ist der Dialekt nicht mehr in aller Munde, weiß Rudolf Suchy, Mitherausgeber einer lokalen Mundart-Sammlung. „Die Jungen reden nicht mehr so“, bedauert der Ex-Bürgermeister. Überhaupt unterscheiden sich Landesnorden und -süden. Viele Nordburgenländer würden sich weigern, zu den Hianzen gezählt zu werden. Dabei sei der Grundstock der burgenländischen Mundart landesweit weitgehend ident, ist Schranz überzeugt.

Fehlt noch, woher die Bezeichnung Hianzen stammen könnte. Für Schranz ist unter mehreren Möglichkeiten die Herleitung von hianz (jetzt) am plausibelsten, denn mit dieser Wendung würden Burgenländer gerne ein Gespräch beginnen.

Na dann: Tuits natuits, so la(u)ng, wias me(i)gds!

( kurier.at ) Erstellt am 21.05.2018