Chronik | Burgenland
28.12.2012

Beim Spazieren Diebe abschrecken

Vor einem Jahr wurde der Assistenzeinsatz beendet, nun gehen Bürger auf Patrouille.

Es ist finster, bitterkalt und langsam fängt es auch an zu schneien. Der Weihnachtsschmuck sorgt für festliche Beleuchtung der Straßen. Im Ortszentrum von Deutschkreutz haben sich Reinhold Klepeisz, Stefan Heinrich, Vizebürgermeister Robert Strobl und zwei weitere Deutschkreutzer zusammengefunden. Gemeinsam will man durch die Straßen der Ortschaft spazieren. Es ist aber kein gemütlicher Winterspaziergang, den die Herren geplant haben.

Keine „Bürgerwehr“

„Es ist notwendig, dass wir durch die Straßen gehen. Die Bevölkerung fühlt sich verunsichert“, sagt einer der Männer. Nachdem vor einigen Wochen zwei Pkw mitten im Ortsgebiet gestohlen wurden, ist man zur Selbsthilfe geschritten. Eine Gruppe von zumindest elf Deutschkreutzern macht sich abwechselnd etwa drei Mal pro Woche zu einem „nächtlichen Spaziergang“ auf.

Als „Bürgerwehr“ will man den Einsatz keinesfalls bezeichnen. „Das ist eine lose Zusammenkunft von Gemeindebürgern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Deutschkreutz sicherer zu machen“, erklärt Reinhold Klepeisz. Er ist im Brotberuf Polizist und hat nebenbei eine Security-Firma. Er ist wie die anderen für Gottes Lohn oft die halbe Nacht auf den Straßen der Gemeinde unterwegs. „Einbrüche sind seither nicht passiert“, sagt Klepeisz, der bereits Anfragen aus anderen Gemeinden zu diesem „Projekt“ hat.
Früher streiften an dieser Stelle Assistenzsoldaten durch die 3100-Seelen-Grenzgemeinde. Mittlerweile ist es ziemlich genau ein Jahr her, seit die Rekruten im Burgenland für immer absalutiert haben. Sehr zum Leidwesen so mancher Gemeindevertreter. „Es ist klar, dass die Einbrüche mehr geworden sind. Als es noch den Assistenzeinsatz gegeben hat, war es besser“, sagt Johann Balogh, SP-Bürgermeister der Deutschkreutzer Nachbargemeinde Nikitsch.

Für Landeshauptmann Hans Niessl, SPÖ, haben sich „alle Befürchtungen mit Beendigung des Assistenzeinsatzes“ bestätigt. Er habe immer betont, dass das Bundesheer nicht nur für die Sicherheit, sondern auch für das subjektive Sicherheitsempfinden notwendig wäre. Doch die damalige Innenministerin Maria Fekter habe seine Forderungen „als Show“ abgetan. Erst Innenministerin Johanna Mikl-Leitner habe die Probleme erkannt und die erforderlichen Maßnahmen gesetzt.

Sicheres Bundesland

Der Landeshauptmann baut zudem auf Nachbarschaftshilfe. Bereits 2009 rief er den gleichnamigen Verein ins Leben. Der Gedanke, dass Bürger „mit offenen Augen durch die Ortschaften gehen“, war schnell wieder vom Tisch. „Private Sheriffs“ würden nichts bringen, sagt der Obmann des Vereins, Jürgen Karall. Er selbst hat im Rahmen seiner Tätigkeit als Referatsleiter für Gemeinde- und Sicherheitswesen an der BH Oberpullendorf 14 Jahre lang den Assistenzeinsatz im Bezirk koordiniert. „Ich bin ein Verfechter der uniformierten Augenpaare“, sagt Karall.

Das Burgenland ist nach wie vor eines der sichersten Bundesländer. Dass die Kriminalitätsrate mit Ende des Assistenzeinsatzes gestiegen wäre, kann Landespolizeidirektor Hans-Peter Doskozil nicht sagen: „Wenn man die nackten Zahlen anschaut, war die Situation vor zehn Jahren schlechter“. Der einzige Bereich, welcher der Polizei Sorgen bereite, sei die Zunahme von Einbruchsdiebstählen in Keller und Nebengebäude. Ab Jänner soll die Polizei durch Gespräche in den Gemeinden eruieren, wo der Schuh drückt.

Nachbarschaftshilfe auf Vereinsbasis

Der Verein „Nachbarschaftshilfe“ wurde im Jahr 2009 auf Initiative von Landeshauptmann Hans Niessl gegründet. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Burgenland sicherer zu machen. Zudem soll das subjektive Sicherheitsgefühl der Burgenländer gestärkt werden. Dazu arbeitet der Verein eng mit der Polizei zusammen.

„Wir werden auch regelmäßig von Gemeinden kontaktiert, wenn es ein Problem oder Fragen zum Thema Sicherheit oder Katastrophenschutz gibt“, erklärt der Obmann des Vereins, Jürgen Karall. Ziel sei es, allen „schnell und kompetent Hilfe zukommen zu lassen“.

Als Grundlage für die Erstellung einer Sicherheitsstrategie des Landes Burgenland wurde nun auch eine Befragung zu den Themen Sicherheit und Katastrophenschutz erstellt. Fazit: Die Probleme, die befragte Burgenländer spontan am häufigsten genannt haben, sind Einbruch (18 Prozent der Befragten), gefolgt von Grenzöffnung (17 Prozent) und mangelnder Grenzsicherheit (rund 10 Prozent).
Dass die Kriminalstatistik entgegengesetzt zum subjektiven Sicherheitsempfinden der Bevölkerung stehe, weiß Karall: „Die Leute fühlen sich unsicherer, als es im Land tatsächlich ist.“

Mit dem Innenministerium gebe es auch eine „super Partnerschaft“, sagt Karall. Im November unterzeichneten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptmann Hans Niessl und Landesvize Franz Steindl eine neue Sicherheitspartnerschaft, die ein Sieben-Punkte-Programm für das Burgenland enthält. Dazu zählt das Projekt „Sichere Gemeinde“, das eine Internetplattform vorsieht, die sich als Schnittstelle zwischen Gemeinden, Sicherheitsbehörden und Bevölkerung versteht. Außerdem soll auch der „Dorfpolizist“ als Ansprechpartner und Vertrauensperson zum Einsatz kommen.

Informationen: www.sicherimburgenland.at