Chronik | Burgenland
17.04.2018

Anwalt Werner Dax wird neuer ORF-Stiftungsrat

Der "bürgerliche" Dax löst den deklariert roten bisherigen Stiftungsrat Ivancsics ab.

Das Land Burgenland  schickt einen neuen Stiftungsrat in das Aufsichtsgremium des ORF auf den Wiener Küniglberg – Anwalt Werner Dax (51) löst Martin Ivancsics Anfang Mai ab, erfuhr der KURIER. In der rot-blauen Landesregierung wurde die Personalie am Dienstagnachmittag auf Vorschlag von Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) einstimmig beschlossen. Werner Dax ist der Vater von SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Dax. Der 67-jährige Ivancsics, der von 2000 bis 2010 Leiter des Niessl-Büros war und seit Ende 2015 im Stiftungsrat sitzt, habe sich selbst nur bis zum Ende der Periode zur Verfügung gestellt, wird beteuert.

Dass die Wahl auf Werner Dax fiel, ist nur auf den ersten Blick überraschend, auf den zweiten ist sie ein weiterer Beleg für Niessls Strategie, „Bürgerliche“ mit wichtigen Funktionen zu betrauen. Der Südburgenländer Dax kommt aus einer schwarzen Familie – Vater Wolfgang war vor zwei Jahrzehnten ÖVP-Landtagspräsident – aber der umtriebige Jurist hat sich dieser Zuordnung längst entzogen. Im Zuge der zahlreichen Amtsmissbrauchsprozesse wegen Schüler-Scheinanmeldungen am Landesgericht Eisenstadt etwa hat Dax in den vergangenen Jahren persönlich zahlreiche Bürgermeister von Schwarz und Rot verteidigt. „Ein Anwalt für alle Fälle und Farben“, schrieb der KURIER  damals.

Diese Breite ist es wohl auch, die Niessl an Werner Dax schätzt und die  im ORF-Stiftungsrat fürs Burgenland nutzbar gemacht werden soll.  Im nunmehr türkis-blau dominierten Gremium brauche es eine Persönlichkeit, die vermittelnd wirke und Brücken bauen könne. Jetzt einen „roten Hardliner“ zu entsenden, wäre  ein falsches Signal gewesen, heißt es aus dem Landhaus. Das kann man auch als Absage an eine rote Fundamentalopposition im Aufsichtsrat des größten Medienunternehmens der Republik verstehen.

Insider bezweifeln indes, dass Ivancsics, der seit Jahrzehnten immer wieder an politischen Schaltstellen werkte, ganz freiwillig w.o. gegeben hat. Klar ist aber, dass Niessls designierter Nachfolger Hans Peter Doskozil seit der gemeinsamen Zeit im Landeshauptmann-Büro kein großer Freund von Ivancsics und dessen Eigenmächtigkeit ist. Doskozil  hat Ivancsics 2010 als Büroleiter abgelöst. Dass Ivancsics Einfluss schwindet, konnte man zuletzt an der Bestellung der neuen Programmchefin im ORF-Landesstudio in Eisenstadt erkennen: Ivancsics soll Melanie Balaskovics forciert haben, zum Zug kam aber Ursula Hofmeister aus dem Landesstudio NÖ – Doskozil befürwortete den „frischen Wind“.

Der soll jetzt auch höheren Orts wehen.