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Immobilien
10/11/2019

Das Haus gehört mir: So wohnt das Burgenland

Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung wünscht sich ein Eigenheim. Nur jeder fünfte Burgenländer wohnt derzeit in Miete.

von Michael Pekovics

In keinem anderen Bundesland ist die Mietquote (19,1 Prozent) so niedrig wie im Burgenland. Anders gesagt: 7 von 10 Burgenländern wohnen in ihrem eigenen Haus oder ihrer eigenen Wohnung, also im Eigentum. Damit liegt das östlichste Bundesland übrigens zirka dort, wo der österreichische Durchschnittsbürger gerne wäre. Denn laut einer Meinungsumfrage wünschen sich 74 Prozent ein Haus mit Garten am Land.

Besonders günstig sind diese Immobilien im südlichen Burgenland. Der Bezirk Güssing ist laut dem aktuellen Re/Max-Immospiegel mit einem Durchschnittspreis von unter 100.000 Euro pro verkauftem Haus im 1. Halbjahr 2019 Österreichs günstigster Bezirk außerhalb von Wein- und Waldviertel in Niederösterreich. „Ein Geheimtipp für sonnenaffine Übersiedler“, heißt es inm Makler-Jargon. In Österreich kostet ein Einfamilienhaus durchschnittlich rund 250.000 Euro (plus 5 Prozent zu 2018), im Burgenland circa 133.000 Euro.

Weniger Verkäufe

Erstaunlich ist da, dass die Verkäufe von burgenländischen Immobilien im 1. Halbjahr 2019 deutlich zurückgingen – laut Re/Max um 27,9 Prozent. Mit nur 286 Einfamilienhausverbücherungen rutschte das Burgenland knapp unter den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und liegt im Bundesländervergleich auf Rang 6. Einzig im Bezirk Oberpullendorf wurden mehr Häuser verkauft als 2018, besonders stark war der Rückgang im Bezirk Oberwart.

Neben dem Burgenland sind die Hausverkäufe auch in Salzburg und der Steiermark zurückgegangen – wegen des geringen Angebotes, sagt Bernhard Reikersdofert, Geschäftsführer von Re/Max-Austria. Insgesamt erwartet er sich ein Anziehen des Marktes: „Das weiter historisch niedrige Zinsniveau wird dazu beitragen, dass viele Eigennutzer in ein Einfamilienhaus investieren werden. Aber auch für Verkäufer ist es ein durchaus guter Zeitpunkt, sofern die Preisvorstellungen realistisch sind.“ Ähnlich sieht das der burgenländische Makler Helmut Zwickl von Z-Immobilien. „Die Nachfrage ist wegen der niedrigen Zinsen hoch, aber das Angebot hält sich in Grenzen, aus dem selben Grund. Denn wer das Geld nicht braucht, verkauft sein Haus derzeit nicht.“

Günstige Wohnungen

Vergleichsweise billig sind aber nicht nur die burgenländischen Häuser, sondern auch die Mieten. Im Durchschnitt liegt der Preis inklusive Betriebskosten bei 5,9 Euro pro Quadratmeter und Monat, eine 70 Quadratmeter große Wohnung kostet also nur rund 413 Euro monatlich. Österreichweit liegt dieer Wert bei 7,8 Euro, in Wien bei 8,3 Euro. Das Burgenland ist bei den Wohnungen auch das einzige Bundesland mit Kaufpreisen von weit unter 2.000 Euro pro Quadratmeter, konkret liegt der Durchschnitt bei 1.460 Euro.

Wo die Burgenländer dann aber wieder die Nase vorn haben, ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Person. Die liegt nämlich bei 53,7 Quadratmeter – ein Plus von knapp 4 Quadratmeter im Vergleich zu 2008. Das hat mit dem Anstieg des Anteils der Ein-Personenhaushalte zu tun. Der liegt bei 31,4 Prozent, das ist der geringste Wert aller Bundesländer.

Nachfrage nach Wohnungen steigt weiter an

„Viele sagen, sie wollen lieber eine Wohnung. Das ist weniger Arbeit als ein Haus.“ Das sagt Alfred Kollar, der als Chef der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG), Burgenlands größter sozialer Wohnbauträger, und Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen des Burgenlandes die Entwicklungen des pannonischen Wohnverhaltens seit Jahren mitverfolgt.

Laut ihm steigt sowohl die Nachfrage im Bereich der Startwohnungen für junge Menschen, als auch jene nach betreuten Wohnformen oder Seniorenbungalows. „Das Denken, aus diesem Haus tragt ihr mich nur waagrecht raus, war früher ganz stark ausgeprägt. Heute gibt es eine entsprechende Klientel, die ihren Lebensabend in einem neuen Zuhause verbringen will.“

Bei jüngeren Menschen sei laut Kollar eine Veränderung des sozialen Gefüges zu bemerken. „Viele haben eine Partnerschaft, wissen aber auch, dass das vermutlich nicht ihre letzte sein wird. Im Fall des Falles ist dann natürlich die Aufteilung einer Wohnung oder eines Reihenhauses viel einfacher als die eines Einfamilienhauses.“ Auch die Aussicht auf Schulden von einigen hunderttausend Euro für einen Neubau schrecke viele junge Menschen bei  ihrer Lebensplanung ab, andere wiederum wollen die Zeit dafür einfach nicht investieren.

Dementsprechend hoch ist im Burgenland der Vermietungsgrad, also der Anteil jener Wohnungen, die bei Fertigstellung bereits vergeben sind. Bei der OSG liegt dieser seit Jahren konstant bei rund 93 Prozent, ein Spitzenwert, sagt Kollar. „Vor allem im Norden ist der Bedarf unheimlich groß.

Aber auch im Süden geht der Trend stark in die Richtung Wohnung, wenn auch nicht so dynamisch aufgrund der eher rückläufigen demografischen Entwicklung.“ Überall gleich ist hingegen die Art der Wohnungen, die besonders beliebt sind: „Dachterrassenwohnungen und Wohnungen mit Eigengarten werden besonders stark nachgefragt“, sagt Kollar.