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Chronik Burgenland
07/31/2020

Commerzialbank: Pucher vernehmungsunfähig? Anwalt verneint

Bei zwei Beschuldigten dürfte es beim Bankenskandal nicht bleiben. Insider gehen von bis zu fünf Beteiligten aus.

von Thomas Orovits

Erinnern Sie sich noch an Rudolf Simandl? Der von 1995 bis 2012 fast allmächtige und höchst angesehene Vorstand der Begas hatte jahrelang Geschäftliches und Privates ineinanderlaufen lassen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) warf ihm u. a. Untreue, Veruntreuung und gewerbsmäßig schweren Betrug vor. Strafrahmen: bis zehn Jahre Haft.

Vor Gericht stand der bald 70-Jährige nie, ein Mediziner diagnostizierte schwere Depressionen, mittlerweile gilt Simandl als dauerhaft verhandlungsunfähig.

Martin Pucher, dessen von ihm gegründete Commerzialbank wegen mutmaßlicher Bilanzfälschungen im großen Stil ein Fall für den Konkursrichter wurde, war schon vor Auffliegen des Skandals vor gut 14 Tagen schwer angeschlagen. Vor Jahren erlitt der 64-Jährige zwei Schlaganfälle, führte die Bank aber dennoch bald wieder weiter.

In Ermittlerkreisen wird deshalb befürchtet, auch Pucher könnte bald vernehmungs- und, im Falle einer Anklage, auch verhandlungsunfähig sein.

Sein Anwalt Norbert Wess weist das zurück: „Herrn Pucher ist es jedenfalls ein Anliegen, dass sein – zugegebenermaßen: äußerst schlechter – Gesundheitszustand ihn in keiner Weise von seinen Verantwortlichkeiten exkulpiert, die er weiterhin vollinhaltlich übernimmt.“

Verteidigung: "Planen keine Gutachten"

Es seien im Übrigen auch „keinerlei (ärztliche, Anm.) Gutachten in diesem Zusammenhang (weder von Herrn Pucher noch von seiner Verteidigung) geplant“.

Noch gelten in der Causa Commerzialbank nur Pucher und seine rechte Hand und Co-Chefin Franziska K. als Beschuldigte. Aber das dürfte nicht mehr lange so bleiben.

Denn – so erfuhr der KURIER aus informierten Kreisen – Malversationen in diesem horrenden Ausmaß (528 Millionen Euro Überschuldung) könnten unmöglich nur von zwei Personen orchestriert und exekutiert werden. Mindestens „drei bis fünf Personen“ müssten wohl involviert gewesen sein.