Commerzialbank: Anwalt geht von Reduktion der Strafe aus
Beim bis dato umfangreichsten Prozess zur Commerzialbank Mattersburg wurden im Vorjahr neben der ehemaligen Bankvorständin Franziska Klikovits drei frühere Unternehmer aus dem Bezirk zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Klikovits und der nicht verhandlungsfähige Bankgründer Martin Pucher sollen die maroden Firmen der Unternehmer mit unrechtmäßigen Krediten künstlich am Leben erhalten haben. Schadenssumme: 70 Millionen Euro.
Einer aus dem Unternehmertrio – er führte einen Tischlereibetrieb – steht am kommenden Mittwoch in Eisenstadt erneut vor Gericht. Ein Aspekt seiner nicht rechtskräftigen Verurteilung zu zweieinhalb Jahren – der Schuldspruch wegen betrügerischer Krida – wurde vom Obersten Gerichtshof (OGH) am 10. Februar 2026 aufgehoben und wird neu verhandelt.
Vereinfacht gesagt, habe sich das Erstgericht nicht ausreichend mit dem Hinweis des Beschuldigten befasst, wonach Pucher die finanzielle Lage der Bank unter Vorlage unrichtiger Geschäftsberichte stets als „sehr gut“ dargestellt habe. Aus diesem Grund habe der Unternehmer nicht daran gedacht, „dass Gläubiger der Bank geschädigt werden könnten“, so der OGH.
„Nicht schuldig“
Der Mann war im Vorjahr auch wegen Veruntreuung, Untreue und Geldwäscherei verurteilt worden. Diese Schuldsprüche bleiben aufrecht, das Strafmaß wird aber neu festgelegt.
Neben der betrügerischen Krida wird auch noch ein neuer Vorwurf der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft verhandelt: Der Unternehmer soll von Juni 2023 bis April 2024 die Beiträge mehrerer Dienstnehmer zur Sozialversicherung nicht abgeführt und der ÖGK rund 90.000 Euro vorenthalten haben.
Sein Mandant werde sich jedenfalls wie bereits im ersten Rechtsgang zum Vorwurf der betrügerischen Krida „nicht schuldig“ bekennen, sagt Anwalt Wolfgang Reibenwein zum KURIER. Das gelte auch für die neuen Vorwürfe der WKStA zu angeblich nicht abgeführten Sozialversicherungsbeiträgen. „Dafür fehlt jegliche Grundlage“, so der Strafverteidiger. Und auf die Frage, ob er mit einer Reduktion der Strafhöhe rechne, meint Reibenwein: „Davon gehe ich aus“.
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