Wie die politische Mitte im Burgenland auseinander driftet

Nach "Sozialisten-Sager" von Christoph Zarits sieht die SPÖ in der ÖVP "Radikale" am Ruder. Das ist beschämend.
Paul Haider
Christoph Zarits

Selten haben Dankesworte für derartige Aufregung gesorgt. In seiner Parteitagsrede bedankte sich Christoph Zarits, am vergangenen Freitag mit 99,5 Prozent zum ÖVP-Landesparteiobmann gewählt, bei seinen Eltern. Nämlich dafür, dass sie ihn zu einem „anständigen Menschen, jedenfalls nicht zu einem Sozialisten“ erzogen hätten.

Der „Sozialisten-Sager“ löste im, mit Volkspartei-Mitgliedern gefüllten, Auditorium Gelächter aus – und bei der SPÖ Empörung. Der rote Klubobmann Roland Fürst kommentierte das Zitat in einem Social-Media-Posting als „unfassbare Entgleisung“ und „Beweis dafür, dass die Radikalen bei der ÖVP Burgenland das Ruder übernommen haben.“

Beide Darstellungen widersprechen der politischen Realität. SPÖ und ÖVP agieren im Burgenland weder sozialistisch noch radikal, sondern arbeiten in den allermeisten Gemeinden konstruktiv und konsensorientiert zusammen.

Dass sich Rot und Schwarz auf Landesebene nun gegenseitig ins politisch extreme Eck stellen, ist ein unwürdiges Schauspiel.

Keine „anständigen“ SPÖler?

Seinen markigen Spruch hat Christoph Zarits inzwischen relativiert: Er habe damit nicht gemeint, dass es keine anständigen Sozialdemokraten gebe und pflege zu allen Parteien eine gute Gesprächsbasis.

Unkommentiert bleiben hingegen andere Anti-SPÖ-Aussagen aus der Parteitagsrede des Zagersdorfers, wie etwa diese hier: „Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch.“

Es scheint, als wolle Christoph Zarits jenen frontaloppositionellen Kurs fortsetzen, der schon seinem Vorgänger Christian Sagartz kein Glück gebracht hat – sondern mit 22 Prozent das historisch schlechteste Wahlergebnis für die ÖVP im Burgenland und Platz drei hinter der Hofer-FPÖ.

Der Landeshauptmannpartei auf der anderen Seite würde eine Abrüstung der Worte gut zu Gesicht stehen. Nicht auf jeden vermeintlich skandalösen Sager muss eine noch heftigere Gegenreaktion folgen.

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