Caritas-Direktorin Edith Pinter startete eine Kampagne für Menschen in Not im Burgenland

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Chronik Burgenland
11/06/2019

Caritas: 49.000 Burgenländer sind von Armut betroffen

Armut hat viele Gesichter. Mieten und Energiekosten lassen Menschen oft in Armutsfalle tappen - jeder 7. Burgenländer betroffen.

Etwa 49.000 Menschen sind im Burgenland nach Schätzungen der Caritas von Armut betroffen. Das sind um 4.000 mehr als noch vor zwei Jahren. Armut sei oft nicht sichtbar, weil sie versteckt stattfinde, sagte Edith Pinter, Direktorin der Caritas der Diözese Eisenstadt, am Mittwoch.

Im Burgenland sind 49.000 Menschen von Armut und Ausgrenzung betroffen. Menschen, die jeden Tag um ihre Existenz kämpfen. So wie Frau K., die in ihrer Not den Weg zur Caritas suchte.

Der Alkohol, die Wutanfälle, die Schläge – über 20 Jahre ertrug sie dieses Leben in Angst. Sie ging nicht zur Polizei und auch vor den Nachbarn blieb die Fassade der glücklichen Familie aufrecht. Aber eines Tages packte sie ihre Sachen und flüchtete mit ihrer Tochter zu einer Freundin. Aus einer finanziell gesicherten Existenz wagte sie den Schritt in die Armut: ohne Zuhause, ohne gesichertes Einkommen.

Frau K. hat ein gepflegtes Äußeres und ein nettes Auftreten. „Wenn Sie Frau K. auf der Straße begegnen, kämen Sie nicht im Traum auf die Idee, sie als arm zu bezeichnen!“, beschreibt Pinter die neue Klientin der Caritas Sozialberatung.

Unter schwierigsten Umständen unternehmen alleinerziehende Mütter alles, um ihre Kinder über die Runden zu bringen. Tag & Nacht begleitet von der Angst vor einem wachsenden Schuldenberg, vor dem drohenden Jobverlust oder vor der unberechenbaren Gewalt des Partners. Für eine eigene Bleibe für sich und die Kinder haben sie zu wenig Einkommen.

Bei der Vorstellung, mit ihren Kindern auf der Straße zu stehen, steigt Panik auf und lässt viele dieser Frauen widerwillig in einer Zweckbeziehung erstarren. Für ein Dach über dem Kopf erdulden sie vieles. Oft zu viel. Bis zur letzten Konsequenz verharren sie im wunschlosen Unglück. Denn ohne Wohnung nimmt man Müttern die Kinder weg.

Wichtig sei vor allem die Schaffung leistbaren Wohnraumes. Miete und Energie seien beispielsweise Faktoren, die Menschen in die Armutsfalle tappen ließen.

Würde man hinausgehen in Dörfer und Menschen auf den Straßen fragen, ob sie armutsgefährdete Menschen in ihrem Bekannten- oder familiären Umkreis kennen, so würde der Großteil dies verneinen, so Pinter. „Wir wissen, dass sehr viele Leute, vor allem junge Mütter, sehr viel auf sich nehmen - nur damit sie ihre Kinder und ihre Familien über die Runden bringen.“

Im Burgenland sei jeder siebente Mensch von Armut und damit einhergehend von Ausgrenzung betroffen. Wer sich an die Caritas wende, habe meist schon eine sehr lange Leidensgeschichte hinter sich, schilderte die Caritasdirektorin.

Um die vielen Gesichter der Armut anschaulich zu machen, verkörperten Darsteller Menschen, die sich an die Sozialberatungsstellen wandten - wie zum Beispiel Franz, 19 Jahre alt, arbeits- und wohnungslos sowie ohne Einkommen. Oder die 27-jährige Katharina, die allein zwei Kinder erzieht und monatlich mit 842,10 Euro auskommen muss. Und die 81-jährige, herzkranke Resi mit 924 Euro Pension, wovon sie monatlich 380 Euro für einen Kredit abzahlen muss.

Caritas als letzte Anlaufstelle bittet um Hilfe

Die Caritas sei für armutsbedrohte und obdachlose Menschen oft „die letzte Anlaufstelle“. Pro Jahr würden im Burgenland rund 700 Personen begleitet und aus der Krise geführt. Rund 2.200 Beratungsstunden werden für diese Akuthilfe aufgewendet, erläuterte Pinter. Die Caritas werde ihr Angebot der Sozialberatungsstellen noch weiter ausbauen, auch das Angebot an Mutter-Kind-Häusern soll erweitert werden. 

Der Zufluchtsraum in Eisenstadt und die Notschlafstelle in Oberwart sollen durch einen Delogierungsfonds als präventiver Ansatz ergänzt werden. Dringend gesucht würden Sponsoren und Unternehmen, die beim Betrieb von Lerncafes unterstützen, so Pinter. Neben leistbarem Wohnraum sei Lernunterstützung besonders wichtig.

Spendensammlung am 17. November

Am 17. November wird anlässlich des Welttages der Armen in den katholischen Pfarren die Sammlung für Menschen in Not im Burgenland durchgeführt. Im Vorjahr wurden 96.774 Euro gesammelt. Mit 33 Euro beispielsweise sichere man einer alleinerziehenden Mutter eine Nacht in einem Mutter-Kind-Haus. Und 50 Euro könne man für einen Schlafsack als Lebensrettung für obdachlose Menschen verwenden.

So können Sie spenden

• per E-Banking mit dem Kennwort: Für BurgenländerInnen in Not 2019 Spendenkonto: IBAN AT34 3300 0000 0100 0652
• online: www.caritas-burgenland.at

  • Was heißt armutsgefährdet?
    Das Netto-Haushaltseinkommen liegt bei weniger als 60 % des mittleren Einkom-mens: Für einen Einpersonen-Haushalt sind das € 1.259 / Monat.
     
  • Wo findet man Armut im Burgenland? Und was bedeutet es eigentlich, zu den 49.000 „armen“ Burgenländern zu gehören?
    Viele glauben ja, im Burgenland gibt es keine Armut. Doch das ist schlichtweg falsch! Die Caritas kennt die Menschen, die davon betroffen sind. Es sind Menschen wie die alleinerziehende Mutter Frau K. Sie versuchen den Schein so lang wie möglich zu wahren, damit die Nachbarn oder Freunde nichts mitbekommen.
     
  • Sieht man allerdings genauer hin, erkennt man die versteckte Armut!
    Das Haushaltseinkommen dieser Familien ist so gering, dass essentielle Dinge nicht leistbar sind: Heizen, ausgewogene Ernährung, ein Auto, eine Waschmaschine, regelmäßige Zahlungen wie Miete oder plötzliche unerwartete Ausgaben für z.B. Reparaturen.