Wer hat Ortstafeln beschmiert? „Ewiggestrige oder Dummköpfe“
Dass Ortstafeln gestohlen werden, kommt immer wieder vor. Dass zweisprachige Ortstafeln beschmiert werden, ist im Burgenland eine Seltenheit. In den vergangenen Jahren habe es derartige Vorfälle nicht gegeben, heißt es am Montag vom Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) auf KURIER-Anfrage.
Nachdem in den burgenlandkroatischen Gemeinden Steinbrunn (Štikapron) und Hornstein (Vorištan) in der Nacht auf Sonntag die kroatische Ortsbezeichnung mit schwarzer Farbe übermalt worden ist, ermitteln vorerst die örtlich zuständigen Polizeiinspektionen – Hornstein beziehungsweise Neufeld/Leitha (für Steinbrunn). Bisher ohne Ergebnis.
In Steinbrunn wurden alle zweisprachigen Ortstafeln verunziert, in Hornstein drei von fünf.
Der von den bisher unbekannten Tätern verwendete Spray war abwaschbar, alle Aufschriften sind mittlerweile wieder lesbar. „Ich bin entsetzt“, sagt die Steinbrunner Bürgermeisterin Isabella Radatz-Grauszer (SPÖ) zu den Vandalenakten. „Ich empfinde die Zweisprachigkeit als Herzstück unserer Gemeinde“. Ganz ähnlich äußert sich auch ihr Hornsteiner ÖVP-Kollege Christoph Wolf. Beide Ortschefs haben die Sachbeschädigung angezeigt.
Burgenland und Kärnten
Die Schmierereien sind nicht nur von allen Landtagsparteien, sondern auch vom Österreichischen Volksgruppenzentrum verurteilt worden. Dies sei kein Zufall, sondern der „Ausdruck einer Haltung, die Minderheitenrechte infrage stellt“, meint Präsident Marian Wakounig. Er erinnert an die Beschädigung mehrerer zweisprachiger Ortstafeln in Kärnten im letzten Oktober.
Bisher schien der Umgang mit den Volksgruppen im Burgenland entspannter als in Kärnten. Zumal die in Artikel 7 des Staatsvertrags von 1955 festgeschriebenen zweisprachigen Ortstafeln im Burgenland früher und friedvoller aufgestellt wurden als in Kärnten, wo es teils erbitterten Widerstand gegen deutsch-slowenische Tafeln gab.
51 Orte mit zweisprachigen Ortstafeln
Erst im vergangenen Herbst wurde im mittelburgenländischen Großwarasdorf (Veliki Borištof) an die Aufstellung der ersten zweisprachigen Ortstafel im Jahr 2000 erinnert. Insgesamt stehen seither in 47 burgenlandkroatischen Ortschaften und vier ungarischsprachigen Gemeinden doppelsprachige Tafeln.
Die Vielzahl der nun beschmierten Tafeln und die Wahl der beiden Gemeinden im Bezirk Eisenstadt-Umgebung spricht nicht gerade für einen zufälligen „Lausbubenstreich“. Heute wird die Zweisprachigkeit in beiden Kommunen geschätzt, aber das war nicht immer so.
Der Steinbrunner SPÖ-Bürgermeister und Nationalrat Fritz Robak, selbst Burgenlandkroate, propagierte seit den 1950er-Jahren die „natürliche Assimilation“ und hatte damit in der SPÖ großen Einfluss. Hornstein wiederum, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg rote Hochburg, drehte sich nach dem sogenannten Anschluss Österreichs besonders schnell. „Ein rotes Nest wird braun“, überschrieb Historiker Herbert Brettl einen Eintrag in seinem History-Blog.
Aber wer könnte die Ortstafeln nun verunstaltet haben? Petar Tyran, ehemaliger Chefredakteur der kroatischen Wochenzeitung Hrvatske Novine, hat eine Vermutung: „Ewiggestrige oder Dummköpfe“.
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