Wenn Betriebe unter Druck geraten und Lehrlinge fehlen
Zwischen Wirtschafts- und Arbeiterkammer ist eine Diskussion entbrannt.
Die Wirtschaft im Burgenland steht gleich von mehreren Seiten unter Druck: Energie, Diesel, Materialkosten und Bürokratie belasten die Betriebe, zugleich wird der Fachkräftenachwuchs knapper. Während die Wirtschaftskammer vor einer Überforderung der Unternehmen warnt, fordert die Arbeiterkammer bessere Bedingungen in der Lehrausbildung.
Mit ihrer Kampagne „#unverzichtbar“ will die Wirtschaftskammer Burgenland derzeit sichtbar machen, was die rund 22.000 Betriebe im Land belastet. Präsident Andreas Wirth spricht nicht von einer normalen konjunkturellen Schwankung, sondern von „strukturellen Belastungen, die Antworten brauchen“. Genannt werden steigende Strom-Netzentgelte, das Auslaufen der Strompreisbremse, höhere Einkaufspreise bei Materialien und Vorprodukten sowie der Druck durch internationale Onlineplattformen.
Das fordert die Wirtschaftskammer
Die Forderungen der Wirtschaftskammer sind in drei Schwerpunkte gegliedert:
- Kosten in den Griff bekommen,
- Investitionen anschieben und
- regionale Stärke sichern.
Dazu gehören planbare Energiepreise, leistbare Mobilität, faire Wettbewerbsbedingungen für heimische Händler und weniger Bürokratie. Besonders kleine Betriebe würden unter Verwaltungspflichten leiden. Laut Wirtschaftskammer verbringen Mitarbeiter eines Kleinbetriebs in Summe 2,5 Arbeitstage pro Woche mit Formularen statt mit Produktion.
Davor warnt die Arbeiterkammer
Während die Wirtschaftskammer also die Belastung der Unternehmen in den Mittelpunkt rückt, warnt die Arbeiterkammer vor einer Verschärfung bei der Lehre. Österreichweit fehlten aktuell mehr als 16.800 betriebliche Lehrstellen, heißt es unter Verweis auf den ÖGJ-Lehrlingsmonitor. Auch im Burgenland sei das Angebot an offenen Lehrstellen im Jahresvergleich um 21 Prozent gesunken, während die Zahl der Lehrstellensuchenden spürbar zunehme.
Die Entwicklung zeigt sich auch im längeren Vergleich.
- Ende 2005 wurden in burgenländischen Ausbildungsbetrieben noch mehr als 2.780 Lehrlinge ausgebildet.
- Im Dezember 2025 waren es laut AK um 730 weniger.
- Gleichzeitig habe sich die Zahl der Lehrlinge in überbetrieblichen Einrichtungen vervierfacht.
Für AK-Präsident Gerhard Michalitsch ist das ein klares Warnsignal: „Es muss dringend gehandelt werden, sowohl für eine bessere Ausbildungsqualität als auch gegen den Fachkräftemangel.“
Die Arbeiterkammer verweist dabei nicht nur auf die Zahl der Lehrstellen, sondern auch auf deren Qualität. Laut Lehrlingsmonitor gaben österreichweit 37 Prozent der mehr als 6.000 befragten Lehrlinge an, schlechte oder sehr schlechte Ausbildungsbedingungen zu erleben. Genannt werden unter anderem ausbildungsfremde Tätigkeiten, nicht abgegoltene Überstunden, Mobbing, sexuelle Belästigung und Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen. Jeder vierte Lehrling wolle nicht im erlernten Beruf bleiben.
So reagiert die Wirtschaftskammer
Die Wirtschaftskammer reagiert darauf mit scharfem Widerspruch. Sie wirft der AK vor, österreichweite Zahlen und allgemeine Vorwürfe ungefiltert auf das Burgenland umzulegen. Das zeichne ein verzerrtes Bild der heimischen Betriebe. WK-Direktor Harald Schermann betont, in den vergangenen fünf Jahren habe es im Burgenland keine einzige Meldung über schwere Missstände in Lehrbetrieben gegeben. Auch Informationen über rechtskräftige Entzüge von Ausbildungsberechtigungen lägen nicht vor.
Zusätzliche Belastungen für Ausbildungsbetriebe sieht die Wirtschaftskammer kritisch. Die Lehrlingseinkommen seien in den vergangenen Jahren bereits überproportional gestiegen, heißt es. Weitere Kosten könnten dazu führen, dass sich noch weniger Betriebe die Ausbildung leisten könnten. Wirth betont, viele Unternehmen im Burgenland seien familiengeführt, regional verwurzelt und würden täglich Verantwortung übernehmen.
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