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Chronik Burgenland
09/21/2020

Burgenland: Winzer im Kampf gegen Stare

Weinbauern wollen die Population verringern und sehen die Politik gefordert.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Jeden Morgen gegen 6 Uhr ist Kurt Schmidt in den Weingärten in Oggau im Einsatz. Von der Morgen- bis zur Abenddämmerung patrouilliert der Pensionist, um die Reben vor gefräßigen Traubendieben zu schützen.

Seit Jahren machen die unter Schutz stehenden Stare den Winzern das Leben schwer. Auf der Suche nach Nahrung machen sie sich über die süßen Trauben her. Mit einer Schreckschusspistole will Schmidt die „Diebe“ vertreiben. Doch das akustische Warnsignal erfüllt nicht immer seinen Zweck, sagt Matthias Siess, Winzer aus Oggau und Obmann der Marketingorganisation Wein Burgenland. „Manchmal zerstören die Stare bis zu 50 Prozent der Ernte.“

Eigene Verordnung

Das Burgenland hat eine eigene Stare-Vertreibungsverordnung, die vorsieht, dass „zur Vermeidung erheblicher Schäden an Weinbaukulturen“ im Bereich der Weinbauflächen eines Gemeindegebiets Maßnahmen angeordnet werden können. „Ein allgemein wirksames Mittel, um die Stare von den Rebstöcken fernzuhalten, wurde aber noch nicht gefunden“, räumt Verena Klöckl, Weinbauberaterin in der Landwirtschaftskammer Burgenland ein.

Vom Netz bis zur Drohne

Unter die erlaubten Maßnahmen fällt etwa der Einsatz von Drohnen, (Klein-)Flugzeugen, Netzen, Schreckschussapparaten bzw- Pistolen. Die Ausbringung von Netzen sei relativ teuer und arbeitsintensiv, an die Schreckschüsse würden sich die intelligenten Tiere rasch gewöhnen, so Klöckl. Der Einsatz halb automatischer bzw. automatischer Gewehre und scharfer Munition sei streng verboten.

Manfred Widder, Obmann des Weinbauvereins Rust, zeigte sich vor der kurz bevorstehenden Hauptlese verzweifelt. Und das nicht wegen der erwarteten Ernte. Die werde „von der Qualität her gut“. Was ihm Sorgen bereitet, seien die gefiederten Gäste. „Früher hatten wir vielleicht 500 Stare in den Weingärten. Jetzt kommen Schwärme mit bis zu 50.000 Tieren“, sagt Widder. Ende des Vorjahres habe man wegen der Stare einen 100-prozentigen Ausfall bei den für den Süßwein vorgesehenen Trauben verzeichnet.

„Winzerfalken“

Weil der Vogel keine natürlichen Feinde habe, würden auch sämtliche Maßnahmen, den ungebetenen Gästen den Garaus zu machen, nicht viel fruchten. Bereits im Jahr 2016 hatte man in Rust in einer gemeinsamen Aktion mit der Stadt, den Winzern sowie dem Land in den Einsatz von Drohnen investiert.

Die sogenannten „Winzerfalken“ sollten den natürlichen Feind der Stare, den Falken, imitieren. Zwar wurde der Anbieter der Drohnen zwischenzeitlich gewechselt, im Einsatz sind die „Star-Schrecke“ aber noch immer. Doch deren Verwendung sei kostspielig, die Vögel könne man damit auch nicht ganz vertreiben.

Widder fühlt sich „von der Politik im Stich gelassen. „Man kann sich nicht erwarten, dass die Landwirtschaft ein kostenloser Lieferant für den Naturschutz ist.“ Der Weinbauvereinschef schlägt vor, eine Studie über die Stare machen zu lassen und eventuell deren Population zu dezimieren.

Lärmbelästigung

Laut Astrid Eisenkopf, zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin (SPÖ), werde die Population der Stare seitens des Landes bereits durch Beobachtungen vor Ort und auch durch externe Vogelkundler überwacht. „Klar ist auch, momentan gibt es keine Hinweise auf eine extreme Populationszunahme“, so Eisenkopf.

Sie wolle aber auch „die andere Sicht der Star-Thematik“ erwähnen. „Mehr und mehr Menschen fühlen sich durch die Starevertreibung, mittels oft sehr lauter Schussapparate einer unerträglichen Lärmbelästigung ausgesetzt.“ Eisenkopf möchte jedenfalls „mit Augenmaß“ an das Thema herangehen und „alle Aspekte und alle Beteiligten mit einbeziehen“.

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