Burgenland will Abhängigkeit von Import-Energie drastisch senken

Burgenland will Abhängigkeit von Import-Energie drastisch senken
Mit Fotovoltaik am Dach und auf der Freifläche und Wärmepumpen für Haushalte und Energiegemeinschaften sollen die Kunden viel billiger davonkommen.

Das Burgenland will die Anstrengungen zur Verringerung von Energieimporten verstärken. Die mehrheitlich in Landeseigentum stehende Burgenland Energie (BE) bietet zwei Pakete an - für einzelne Haushalte und für Gemeinden, in denen sich Energiegemeinschaften bilden. Verbraucht ein durchschnittlicher burgenländischer Haushalt derzeit jährlich 21.000 Kilowattstunden (kWh), davon 17.000 für Gas und 4.000 für Strom, sollen es künftig nur noch 6.400 kWh sein. In den kommenden drei Jahren soll das Vorhaben umgesetzt sein und die Nutzer so um 70 Prozent "energieunabhängiger", weil sie Strom und Wärme überwiegend selbst produzieren. Doskozil räumte ein: "Das ist eine riesige Herausforderung".

Wie das gehen soll, haben LH Hans Peter Doskozil und BE-Vorstandschef Stephan Sharma am Mittwochvormittag in Eisenstadt erläutert.

Wer ein eigenes Haus mit Garten hat, kann mit Fotovoltaik am Dach und einer Wärmepumpe für Strom und Wärme sorgen, dazu will die BE "demnächst" einen eigenen Stromspeicher für daheim anbieten.

Für Haushalte, die das nicht wollen oder können, soll es Energiegemeinschaften geben, die das Land gemeinsam mit Gemeinden betreiben will. Voraussetzung ist, dass sich jeweils zumindest 100 Haushalte oder auch Klein- und Mittelbetriebe finden, die mitmachen. Für die gemeinschaftliche Stromproduktion sollen Fotovoltaikanlagen auf der Freifläche aufkommen (dazu wird es auch zusätzliche Eignungszonen brauchen), für Wärme eine zentrale Wärmepumpe oder eine Biomasse-Anlage; ein zentraler Speicher soll Strom vorrätig halten. Das ganze Land soll in 260 Energiegemeinschaften eingeteilt werden, für die "Formalitäten" soll eine eigene Landesgesellschaft gegründet werden, die auch Energieberatung macht, so Doskozil. Rund 40 bis 60 Mitarbeiter würden dafür benötigt, ein Teil soll aus bestehendem Personal besetzt werden.

Was die Einbindung schon bestehender Energiegemeinschaften in einzelnen Gemeinden betrifft, zeigte sich Doskozil skeptisch. Es gehe auch um günstige Preise für die Energie, die weiterhin zugekauft werden müsse und eine "faire" Abrechnung für die Teilnehmer, das könne am ehesten der Landesenergieversorger gewährleisten.

Für große Unternehmen verwies BE-Chef Sharma auf individuelle Lösungen, die man anbiete.

Preiserhöhung im Jänner

Per 1. September haben Wien Energie und EVN aus NÖ die Preise angehoben, das Burgenland gehört zwar auch zu dieser Energie Allianz im Osten, hat aber zunächst auf eine Preiserhöhung verzichtet. Im Jänner wird nun aber wohl auch die Burgenland Energie nicht um eine Erhöhung herumkommen. Um die Mehrbelastung zu dämpfen, forderte Doskozil Maßnahmen des Bundes, etwa eine Gaspreisbremse und staatliche Eingriffe bei der OMV. Falls das nicht passiere, "müssen wir uns was überlegen", so Doskozil. Für ihn sei es jedenfalls "ein No-go, dass burgenländische Haushalte ab Jänner 2023 das Vier- oder Fünffache der Energiekosten" zu zahlen hätten. "Wir werden die burgenländischen Haushalte nicht allein lassen", so der rote Landeshauptmann. Nachsatz: "Sie werden dann sehen, wer ihnen hilft und wer nicht".

Die Sparmaßnahmen wie 19 Grad Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden und weniger Beleuchtung bei Nacht will auch das Land umsetzen.

 

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