Leben auf der Überholspur
Früher hieß es: „Im Südburgenland gibt’s nichts, das nicht ein, zwei Tage warten kann.“ Inzwischen scheint das hektische Leben auf der Überholspur auch das Mekka der Entschleunigung erreicht zu haben.
Am Montag war ich im südlichen Burgenland unterwegs, von der steirischen Grenze zur ungarischen, weiter an die slowenische Grenze und retour. Raser, wohin man fuhr. Das hektische Drängeln spielte sich auch auf Nebenstraßen und Güterwegen ab, die gar keine Überholspur haben.
Vor wenigen Tagen verfolgte die Polizei im Raum Jennersdorf einen Lenker, dem mit 180 Stundenkilometern tatsächlich die Flucht gelang (der Mann wurde danach allerdings ausgeforscht und angezeigt).
In anderen Teilen des Burgenlands ist es nicht besser: Am Freitag wurde im Bezirk Neusiedl das Auto eines Lenkers beschlagnahmt, der mit 235 Stundenkilometern unterwegs war. Am Sonntag registrierte ein Radargerät im Bezirk Eisenstadt einen Pkw mit 216 Stundenkilometern. – Soweit die vergangene Woche.
Bremsen nicht im Trend
Blickt man etwas weiter zurück, wird es nicht erfreulicher. Die soeben veröffentlichte Verkehrsbilanz 2025 weist im Burgenland mehr Verkehrstote als im Jahr davor aus. Häufigste Unfallursache: Unachtsamkeit und Ablenkung, gefolgt von Vorrangverletzung und Geschwindigkeitsüberschreitung.
Der Salzburger Verkehrslandesrat eröffnete vorige Woche sogar eine Debatte über „lebenslangen Führerscheinentzug bei Allgemeingefährdung“ und meint damit Extremraser in und außerhalb der Ortsgebiete.
Der Verkehrsminister winkte bereits ab. Und grundsätzlich ist die Idee, Extremrasern, die sich an keine Regeln halten, mit noch strengeren Regeln Einhalt gebieten zu wollen, ... eh nett, aber sicher nicht die Lösung.
Bremsen ist nicht im Trend. Der Stress steigt, stetige Effizienzsteigerung ist das neue Normal. Und wer nicht rast, um schneller anzukommen, der rast, um sich abzureagieren.
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