Chronik | Burgenland
22.04.2018

Burgenland: Eine ehemalige Soldatin erzählt

Désirée Rainprecht aus Oggau war erste Absolventin des BRG für berufstätige Soldaten. Jetzt arbeitet sie in einem Labor

Wenn Désirée Rainprecht zurückblickt, tut sie das weder im Zorn noch mit Wehmut, sondern abgeklärt: „Wie es passiert ist, war es richtig“, sagt die heute 35-jährige gebürtige Oggauerin über ihre neun Jahre beim Bundesheer. Dabei hat sie 2009 just zu einem Zeitpunkt abgerüstet, als ihr endlich alle Türen offenzustehen schienen und sie eine echte Pionierleistung vollbracht hatte: Wachtmeister Rainprecht ist die erste Frau, die das Bundesrealgymnasium für berufstätige Soldaten in Wiener Neustadt abgeschlossen hat. Und nicht bloß so lala, sondern mit ausgezeichnetem Erfolg. Dass sie danach nicht wie geplant die Offizierslaufbahn eingeschlagen, sondern an der Fachhochschule am Campus Wien Molekulare Biotechnologie studiert hat, sagt viel über das um Frauen werbende Heer, aber mehr noch über die ehemalige Soldatin. Ihr Resümee: „Das Bundesheer bleibt ein besonderer Teil meines Lebens“.

Nach einem Vortrag eines Offiziers im letzten Jahr der Handelsschulzeit in Eisenstadt „war ich total gefangen“, erinnert sich Rainprecht. Einen Monat nach ihrem 18. Geburtstag ist sie im September 2000 beim Panzerabwehrbataillon 1 in Wiener Neustadt angetreten. Erst zwei Jahre zuvor war ein Gesetz in Kraft getreten, das Frauen auf freiwilliger Basis den Dienst an der Waffe ermöglichte. Rund 150 Frauen waren es 2000. Heute sind es 612 Soldatinnen, was einer Frauenquote von 3,8 Prozent entspricht; die früher angepeilten 10 Prozent sind vom Tisch: „Nicht die Quote, sondern die Qualität ist wichtig“, sagt eine Heeres-Sprecherin.

Die Nordburgenländerin Rainprecht gehörte demnach zu einer handverlesenen Schar. Die Eltern hatten ihr „keine Steine in den Weg gelegt“ – warum auch, beide standen damals selbst im Sold des Heeres, der Vater als Koch, die Mutter als Schneiderin – der Vater hat mittlerweile einen anderen Job im Bundesdienst.

Kein Zauber

Aber diesem Anfang wohnte kein Zauber inne. „Nach drei Tagen habe ich heulend die Mama angerufen und wollte aufhören“, erzählt Rainprecht. Die körperliche Anstrengung war für die Fuß- und Basketballerin leicht zu bewältigen, aber ihr Gemüt war auf das Kasernenleben nicht vorbereitet. „Ich hatte bis dahin ein unbekümmertes Leben geführt“, sucht Rainprecht heute nach einer Erklärung, da habe die militärische Strenge der durchgetakteten Tage wie ein Kulturschock gewirkt. Die damals 18-Jährige war die einzige Frau in der Kaserne und auch sonst sehr einsam: „Ich habe gespürt, dass ich hier nicht erwünscht bin“. Sie sei – mit wenigen Ausnahmen – zwar nicht gepiesackt worden, „aber Hilfe gab es auch nicht wirklich“.

Dass sie damals doch nicht sofort wieder absalutiert hat, verdankt sie ihrer Mutter – und ihrem eigenen Willen, sich keinesfalls unterkriegen zu lassen. „Die Mama hat zu mir gesagt, Du wolltest das, jetzt zieh‘ es auch durch“ – und dieser Wunsch der Mutter wurde der Tochter Befehl. Denn nach ein, zwei Jahren war das gegenseitige „Fremdeln“ passe und Désirée Rainprecht fühlte sich im Soldatenleben angekommen und aufgenommen. 2003 schloss die Panzerkommandantin ihre Unteroffizierausbildung ab und bildete selbst Rekruten aus – eine Frau war übrigens nie darunter. Wie reagierten die jungen Rekruten? Rainprecht: „Am Anfang gab es hie und da einen skeptischen Blick, aber das war‘s dann auch“.

Nicht den geringsten Zweifel hegte hingegen Rainprechts Kompaniekommandant, der sie fragte, ob sie nicht die Offizierslaufbahn einschlagen wolle. Mit der Matura am BRG für berufstätige Soldaten 2008 hatte sie das Ticket dafür in der Tasche, aber für sich schon vorher eine andere Entscheidung getroffen – sie wollte etwas Naturwissenschaftliches studieren. Gab’s keine Vorwürfe der Vorgesetzten nach dem Motto: „Jetzt gehst Du, nachdem so viel in Dich investiert wurde“? „Nein“, antwortet Rainprecht bestimmt und „außerdem habe ich ja auch viel investiert“. Wolle das Bundesheer mehr Frauen ansprechen, müsste sich manches ändern: „Wenn einer Frau beim Heer vorurteilsfrei begegnet wird, wäre das schon eine gute Basis“.

Ziviles Leben

Heute leitet die Burgenländerin, die mittlerweile in NÖ wohnt, am Wiener Standort eines internationalen Pharmakonzerns ein Labor für Qualitätskontrolle und hat rund zehn Mitarbeiter unter ihrem „Kommando“. Sie führe sicher nicht wie beim Militär, wehrt die Ex-Soldatin ab, aber die „kurze, präzise Sprechweise“ sei ihr schon geblieben. Und die Menschenkenntnis, denn „beim Bundesheer stößt man auf die ganze Bandbreite menschlicher Charaktere – im Guten wie im Schlechten“.

Bereut hat sie die Jahre in Uniform keine Sekunde, zumal sie ihr auch im zivilen Leben nicht zum Nachteil gereichen. Bei Bewerbungsgesprächen hätten sich die Personalchefs immer an ihrer Zeit beim Bundesheer interessiert gezeigt. Rainprecht: „Das war immer ein Eye-Catcher“. Weil sie im Guten gegangen ist, hat Rainprecht auch noch Erinnerungsstücke ans Heer aufgehoben – etwa die Ausgeh-Garnitur. Aber die passe nicht mehr, sagt Rainprecht mit einem Schmunzeln, denn „ich bin nicht mehr so sportlich“.

Dass sie nur die höchsten Maßstäbe an sich anlegt, ist Rainprecht offenbar auch geblieben.