© Uschi Zezelitsch

Chronik Burgenland
02/23/2022

Burgenländer kreiert das erste Bohnenbier Österreichs

Lebensmitteltechnologe Roland Pöttschacher hat das Pannonische Black Bean Stout kreiert. Hergestellt wird es in der Brauerei Kobersdorf.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Jahrzehntelang fristete die Bohne ein Schattendasein. Doch damit ist es nun vorbei. Denn der Lebensmitteltechnologe Roland Pöttschacher hat sich der Kultivierung alter Sorten verschrieben.

Er will ihnen zu einer neuen Renaissance verhelfen. Das „Comeback“ scheint gelungen: Dank der „Ponzichter“-Initiative und der Zusammenarbeit mit dem Verein „Bohna Vista local hub“ hat Erfinder Pöttschacher das erste Bohnenbier Österreichs präsentiert. Mit seinem Kooperationspartner, der Brauerei Kobersdorf, hat er das Bio–Black Bean Stout gebraut.

„Für das Bier habe ich eine Sorte benötigt, die es in größeren Mengen gibt“, sagt Pöttschacher. Von Bio-Bauer Harald Strassner beziehe er schwarze Bohnen, „weil sie gut zum Stout passen“. Das Black Bean Stout ist übrigens laut Beschreibung „ein dunkles, geschmacksintensives Bier mit starken Röstnoten, die an Kaffee erinnern. Eine leichte, malzige Süße steht einer ausgewogenen Hopfen-Bitterkeit gegenüber“. Eine „Prise Magie“ kommt von Kräuterhexe Uschi Zezelitsch vom „Bohna Vista local hub“.

Unkonventionelle Zutaten

Pöttschacher, der an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert hat, hat selbst auch zwei Jahre lang in einer Brauerei gearbeitet. Für die Bohnen im Bier habe er sich entschieden, weil sie neben Eiweiß auch viel Stärke enthalten. Im Brauprozess wird diese abgebaut und in Alkohol umgewandelt. Die Inhaltsstoffe der Bohnen würden das Mundgefühl verbessern und den Schaum stabilisieren.

„Das Stout ist bekannt für seine unkonventionellen Zutaten“, erklärt der Lebensmitteltechnologe. Auch Austern oder Haferflocken würden bei diesem Biertyp unter anderem zugesetzt.

Derzeit ausverkauft

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, den muss Pöttschacher etwas vertrösten: Der Ansturm bei der Präsentation sei so groß gewesen, dass erneut gebraut werden müsse. Im April sollten Liebhaber des Spezialbieres wieder auf ihre Kosten kommen.

Nicht nur bei der Herstellung ist Pöttschacher selbst anwesend. Mit seiner Initiative „Ponzichter“ hat er alle Hände voll zu tun, um die Bohne wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Pöttschacher, der aus Loipersbach, im Naturpark Rosalia-Kogelberg gelegen stammt, hat „die Geschichte seiner Heimatregion inspiriert“.

Ponzichter (vom Ungarischen „poncichter“; „Bohnenzüchter“) war die Bezeichnung für einen kleinen Teil der deutschen Minderheitengruppe: Weinbauern in der Gegend um Ödenburg (Sopron). Weil sie sich nicht mit der Traubenernte zufriedengaben, pflanzten die Bauern zwischen die Rebstöcken u. a. Bohnen. Damit hatten sie nicht nur eine weitere Einkommensquelle: „Die Bohne bringt Stickstoff in den Boden und erspart den Dünger.

Der "Bohna Vista local hub"

Ende des Vorjahres wurde der  „Bohna Vista Local Hub“ ins Leben gerufen. „Alles für die Bohne“ – so lautet das Motto  der Initiative, die sich  ganz der  gesunden Hülsenfrucht verschrieben hat. Mit im Boot sind neben  dem Erfinder des neuen Bohnenbiers, Roland Pöttschacher, auch ORF-„Kräuterhexe“ Uschi Zezelitsch und der  Biobauer Harald Strassner aus Pöttsching. Gemeinsam  hegen sie  die Leidenschaft für das 8.000 Jahre alte Grundnahrungsmittel.

„Die Gartenbohne vor den Vorhang zu holen ist Teil unserer gemeinsamen Mission“, erklären die Vereinsmitglieder auf ihrer Internetseite (bohnavista.com). Ziel sei es, die  Artenvielfalt zu erhalten und Sorten sowie Produkte weiter zu entwickeln. 100 Sorten von verschiedenen Quellen hat Pöttschacher bereits gesammelt. Die Bohnensamen setzt er in seinem Schaugarten in Loipersbach an.  
Auch Strassner hat  32 Bohnenraritäten, die die letzten ihrer Art in ganz Europa sind, auf seinem Versuchsacker angebaut und geerntet. Heuer will der Verein zum „Bohnen-Kongress“ laden. Da soll sich – erraten – alles um die Bohne drehen.

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