Chronik | Burgenland
30.10.2018

bssm Oberschützen: In fünf Jahren zu Matura und Medaillen

Nach 20 Jahren ist das bssm am Gymnasium Oberschützen weiterhin als Schulversuch deklariert

Die Liste der Absolventen ist lang und reicht von Basketballer Hannes Artner über den Mattersburg-Stürmer Patrick Bürger bis zur Leichtathletin Yvonne Zapfel. Seit 20 Jahren besteht das bssm (burgenländisches Schule & Sport Modell) am Bundesoberstufenrealgymnasium (BORG) Oberschützen. Jugendliche, die das Zeug zum Spitzensportler haben und auf die Matura dennoch nicht verzichten wollen, werden hier zur doppelten Reife geführt. „Das bssm ist ein Leuchtturmprojekt“, gratulierte Landeshauptmann und Sportreferent Hans Niessl zum Geburtstag.

185 Absolventen haben das Sport-BORG bisher durchlaufen, derzeit besuchen 84 Mädchen und Burschen aus elf Sportarten (von Basketball bis Triathlon) die von vier auf fünf Jahre gestreckte Schulform. Einer ist Adam Wiener, jüngster Staatsmeister im Speerwerfen. Der Schreibersdorfer bereitet sich gerade auf die Matura vor und schätzt vor allem die gedehnte Schulzeit, weil das weniger Stress bedeute. So sei es möglich, trotz dreier Trainingsvormittage pro Woche und der wettkampfbedingten Fehlstunden ein Maturazeugnis zu erwerben.

Einzigartig im Land

Die Verbindung von Schule und Spitzensport ist kein Alleinstellungsmerkmal für das bssm Oberschützen. Auch in der Handelsakademie Mattersburg (Fußball) und der HAK Stegersbach (Golf und Fußball) werden Top-Athleten bis zur Matura ausgebildet. Was das bssm aber heraushebt, ist die Mitgliedschaft im illustren Verband Österreichischer Nachwuchsleistungssportmodelle, kurz VÖN.

Wie das Leistungszentrum Südstadt in Niederösterreich oder das Tiroler Skigymnasium Stams ist das bssm Teil eines bundesweiten Netzwerks von mittlerweile 17 Nachwuchskompetenzzentren, die vom Sportministerium gefördert werden.

Um die sportliche Ausbildung auf hohem Niveau anbieten zu können, wurde vor zwei Jahrzehnten der gemeinnützige Verein bssm gegründet, dessen geschäftsführender Obmann Christian Buchhas das Amt ab November an Marc Kerschbaumer übergibt. Der frühere Fußballer war schon bisher Teil des Betreuerteams am Sport-BORG. Wozu der Verein? „Der Bund stellt die Schulform sicher, aber die zusätzlichen Betreuungsmaßnahmen müssen eigens finanziert werden“, erläutert Buchhas. Neben Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten und Psychologen können so auch Orthopäden teilverpflichtet werden.

180.000 Euro beträgt das bssm-Jahresbudget, davon steuert das Sportministerium 60.000 Euro bei, die Mitgliedsbeiträge der Eltern machen in Summe 46.000 Euro aus (600 Euro pro Kind und Jahr), vom Land kommen 35.000 Euro, der Rest verteilte sich auf Sponsoren und Kooperationen.

Bis 2025 fix

Als verspätete Jubiläumsgabe wurde eine Sanierung des 1911 erstmals bezogenen Gebäudes in Aussicht gestellt; auch die Sportanlagen sollen erneuert werden. Neben dieser infrastrukturellen Absicherung wünschen sich Buchhas und Harald Ziniel, Fachinspektor für Bewegung und Sport im Landesschulrat und Vorsitzender des bssm-Beirats, eine Absicherung für die Zukunft. Denn das Sport-BORG ist wie alle Nachwuchskompetenzzentren in den Bundesländern noch ein Schulversuch, der nur bis 2025 gesichert ist. Die Überführung ins Regelschulwesen würde ein für alle Mal verhindern, dass im Leuchtturm das Licht ausgeht.