BMW-Bande: „Big“ und Komplize vor Gericht

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Wegen Diebstahls von Luxusautos im Wert von 1,3 Mio. € mussten sich zwei Ungarn am Landesgericht Eisenstadt verantworten.

Zahlreiche Diebstähle von hochpreisigen Fahrzeugen der Marke Audi und BMW hatten vor eineinhalb Jahren für Aufsehen gesorgt. Über mehrere Monate hinweg wurden ab Sommer 2010 im Burgenland, Wien und der Steiermark im großen Stil Luxusautos gestohlen. Der Wert des Diebsgutes betrug rund zwei Millionen Euro. Am Donnerstag mussten sich nun zwei der mutmaßlichen Mitglieder der sogenannten „BMW-Bande“ vor einem Schöffensenat am Landesgericht Eisenstadt verantworten. Die beiden Ungarn bekannten sich im wesentlichen nicht schuldig.

Einer der beiden Angeklagten, der 37-jährige Ungar Zsoltan N., soll der „Kopf“ der Bande gewesen sein. Er ist in der Autoknackerszene auch als „Big“ bzw. „Big Zsoli“ bekannt. Ihm warf Staatsanwalt Heinz Prinke vor, 30 Fahrzeuge entwendet zu haben. Außerdem werden ihm 18 versuchte Diebstähle zur Last gelegt.

Sein 45-jähriger Komplize Bela S. wurde wegen 20 Autodiebstählen und sieben Versuchen angeklagt. Er sei einer der „Hauptfahrer“ gewesen. Für ihre „Dienste“ sollen die Fahrer zwischen 300 und 700 Euro erhalten haben.

Verhaftung

Bela S. wurde im September 2010 in Podersdorf bei einem Coup auf frischer Tat ertappt, Zsoltan N. konnte flüchten. Für ihn klickten im Juni 2011 die Handschellen. Rund 1,3 Millionen Euro betrug der Schaden, der beiden Ungarn nun zur Last gelegt wird.

„Finanziell gut gestellt waren sie nicht. Deshalb haben sich die Angeklagten entschlossen, nach Österreich zu fahren und Autos zu stehlen“, so der Staatsanwalt. Teils gemeinsam oder auch mit anderen – zum Teil bereits verurteilten – Tätern der zehnköpfigen Bande wurden die Fahrzeuge gestohlen. Zsoltan N. habe die Fahrzeuge ausgesucht und mit dem mitgebrachten Werkzeug geöffnet.

Modus operandi

Die Vorgehensweise sei jedes Mal dieselbe gewesen. Mit einem sogenannten „Ziehfix“ sei das Schloss geknackt worden, danach wurde die Software überspielt, um den Diebstahlschutz auszutricksen und die Autos starten zu können. Sieben Autos wurden in Spanien sichergestellt, die restlichen Pkw seien in Ungarn verkauft worden.

Während sich Bela S. (er fasste für den versuchten Diebstahl in Podersdorf bereits 20 Monate teilbedingte Haft aus) für nicht schuldig bekannte, gab „Big Zsoli“ lediglich zu, dass er in Podersdorf ein Auto stehlen wollte: „Den zweiten Wagen wollte ich nur aufbrechen, um Wertgegenstände daraus zu nehmen.“ „Halten Sie das Gericht für völlig blöd? Sie wurden in Ungarn bereits zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt, weil Sie 40 Autos gestohlen hatten“, warf die Vorsitzende, Richterin Birgit Falb, ein.

Der Prozess wurde schließlich vertagt. Bei der nächsten Verhandlung sollen auch inhaftierte Bandenmitglieder befragt werden.

Erstellt am 03.02.2012