Chronik | Burgenland
27.08.2017

Blumen neben der Pannenbucht: Gedenken an 71 Tote

Zwei Jahre nach der Tragödie ist das Geschehene noch längst nicht verarbeitet.

Frische Blumen und Kerzen werden immer wieder zum Gedenken an die 71 toten Menschen in der Pannenbucht aufgestellt. Exakt an jener Stelle auf der Ostautobahn (A4) wurden auf den Tag genau vor zwei Jahren die Leichen von vier Kindern, acht Frauen und 59 Männer entdeckt. Sie alle waren in dem Kühl-Lkw qualvoll erstickt.

Einer, der jeden Tag an die schreckliche Tragödie erinnert wird, ist der Leiter des Landeskriminalamtes Burgenland, Oberst Ernst Schuch. Tagtäglich kommt der Oberst am Weg zur Arbeit an der Pannenbucht vorbei. Immer wieder sieht er neue Blumen, die Besucher zum Andenken an die Toten niederlegen, erzählt Schuch. "Die Tragödie ist da, aber das Leben muss weitergehen", sagt Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs. Im Gemeinderat wird im Herbst über das Aufstellen eines Gedenksteines diskutiert.

Nicht nur emotional wühlt der Tod der 71 Flüchtlinge auf. Die Tragödie beschäftigt auch die Justiz. Im ungarischen Kecskemet steht seit 21. Juni jene Schlepperbande vor Gericht, die für den Erstickungstod der 71 Flüchtlinge verantwortlich sein soll. Den elf Beschuldigten wird u. a. qualifizierter Mord und Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Und auch beim Prozess herrscht Fassungslosigkeit: Statt einem Geständnis äußert der mutmaßliche Bandenchef Samsoor L. Forderungen über bessere Haftbedingungen und einen neuen Dolmetscher. Der Bande wird laut Anklage vorgeworfen, mehr als 1200 Menschen illegal und unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Westeuropa gebracht zu haben. Am 14. September soll der Prozess fortgesetzt werden und dürfte bis Ende des Jahres dauern.