Chronik | Burgenland
12.10.2018

Bis zum Mond und zurück nach Hornstein

Das Familienunternehmen Sigmapharm investiert massiv in den neuen Standort im burgenländischen Hornstein investiert.

Unter den 150 österreichischen Pharmaunternehmen gibt es nur eine Handvoll, die auch selbst produzieren. Eines davon ist Sigmapharm, das mit seiner Tochter MoNo gut 100 Mitarbeiter beschäftigt und einen gemeinsamen Umsatz von 23 Millionen Euro erwirtschaftet. Derzeit werden im burgenländischen Hornstein 20 Millionen Euro in den Bau einer neuen aseptischen Produktionsanlage investierten. „Das Unternehmen zeigt vorbildliches und mitreißendes Engagement als mittelständiges österreichischen Pharmaunternehmen“, lobt Alexander Herzog, Generalsekretär der Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs).

Gegründet wurde Sigmapharm im Jahr 1949 von Herbert Punzengruber und dem im Frühjahr im Alter von 96 Jahren verstorbenen Herbert Pichler in Wien. Letzterer ist älteren Lesern vielleicht noch als Co-Kommentar der Mondlandung ein Begriff. „Er war Facharzt für HNO, hatte als ehemaliger ORF-Sprecher Medienerfahrung und verfügte über gute Kontakte“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Wittmann. Zur Jahrtausendwende wurde die Mondpichler-Noordung-Privatstiftung gegründet, um die Unabhängigkeit zu sichern. Zeitgleich wurde auch die MoNo als eigenständiges Herstellungsunternehmen innerhalb der Gruppe gegründet und die Produktion ausgelagert. „Wir sind bis heute ein Familienbetrieb. Dank unseres kleinen Teams von 80 Mitarbeitern können wir rasch und flexibel auf Kundenanforderungen eingehen“, sagt Wittmann voller Stolz. „Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Herstellung und in der antiseptischen Prozesstechnik verstehen wir uns als universeller Dienstleister.“

Der Standort im zwölften Wiener Gemeindebezirk wurde ab den 2000er Jahren sukzessive erweitert und die Produktion modernisiert. Heute platzt der Betrieb in der Leystraße aus allen Nähten. „Wir sind zu 200 Prozent ausgebucht“, bestätigt Wittmann. Diese Auslastung war auch der Grund für die Expansion ins Burgenland. In Hornstein (Bezirk Eisenstadt) fiel im Jahr 2016 der Startschuss für die neue Produktionsanlage. Bereits jetzt sind 1800 Quadratmeter der zur Verfügung stehenden Fläche verbaut, bis zu 30.000 Quadratmeter sind im Endausbau möglich.

„Unsere Vision ist eine sukzessive Erweiterung des Standorts in Hornstein“, sagt Wittmann. Warum gerade im Burgenland produziert wird? „Das Land hat uns damals bei der Suche den roten Teppich ausgerollt, das Interesse seitens der Verantwortlichen war deutlich spürbar“, blickt Wittmann zurück. Weitreichende Fördermöglichkeiten im östlichsten Bundesland und die gute Verkehrsanbindung – über die A3 ist man in knapp einer halben Stunde an der Stadtgrenze – gaben schließlich den Ausschlag.

Derzeit laufen am burgenländischen Standort die Vorbereitungen auf den Start der neuen 1,6 Millionen Euro teuren Produktionsanlage auf Hochtouren. Der Aufwand ist enorm. „Der Großteil des Gebäudes soll unter Reinraumbedingungen arbeiten. In der sterilen und aseptischen Produktion darf kein Keim, kein ,Flankerl‘ hineinkommen. Die Beschäftigten müssen sich bis zur Aufnahme der Arbeit dreimal umziehen. Pro Stunde werden für die Belüftung 45.000 Kubikmeter gereinigter Luft benötigt“, sagte Wittmann. Absolute Keim- und Partikelfreiheit in Herstellung, Abfüllung und erst recht im Endprodukt sind die Devise. Begonnen werden soll in Hornstein mit einem Ein-Schicht-Betrieb. Das soll sukzessive auf bis zu drei Schichten ausgebaut werden. Die Anlage ist auf eine Kapazität von bis zu zwölf Millionen Packungen pro Jahr ausgelegt.