Warum das Bibermanagement im Burgenland jetzt neu organisiert wird

Burgenland organisiert Bibermanagement neu: Mehr Budget, neues Team und zusätzliche Maßnahmen für Konfliktlösung und Prävention.
Fünf Personen hocken gemeinsam im Grünen vor einem großen Haufen aus Ästen und Zweigen neben einem Baum.

Das Bibermanagement im Burgenland wird neu aufgestellt und gezielt ausgebaut. Ein neues Team und ein höheres Budget sollen das Konfliktmanagement wirksamer machen, erklärte Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner. Grundlage für die Neuerungen ist das Feedback von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie anderen Stakeholdern.

Neues Personal, mehr Geld sowie zusätzliche Maßnahmen sollen sowohl dem Schutz des Bibers als auch den Interessen von Gemeinden, Privatpersonen sowie der Land- und Forstwirtschaft gerecht werden. Finanziell wird das Bibermanagement durch das LE-Projekt „Maßnahmen zum Schutz des Bibers“ mit 180.000 Euro gestützt.

Was jetzt geplant ist

Zusätzlich stellt das Land 2026 rund 50.000 Euro für Präventivmaßnahmen bereit, was eine Erhöhung um etwa 20.000 Euro gegenüber den Vorjahren bedeutet. Gefördert werden Baumschutzgitter und Elektrozäune, technische Lösungen im Wasserbau sowie neue Maßnahmen wie Vergrämung, insbesondere in sensiblen Bereichen der Infrastruktur. Auch eine neue Informationsbroschüre wird erarbeitet.

Durch das Aufstauen von Wasser schaffen Biber Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie CO₂-Senken. Angesichts häufiger Trockenperioden ist der natürliche Wasserrückhalt auch für Landwirtschaft und Mikroklima von Bedeutung. Wo die ökologische Funktion des Bibers auf intensive menschliche Nutzung trifft, kann es zu Konflikten kommen, etwa im Wasserbau, bei Infrastruktureinrichtungen oder in der Land- und Forstwirtschaft.

Zwei neue Expertinnen

Vor diesem Hintergrund setzt das Land verstärkt auf fachliche Kompetenz und praxisnahe Lösungen. Mit Carina Eisenwagner und Tanja Spreitzer-Polleres übernimmt ein Expertinnen-Duo vom Naturschutzbund Burgenland zentrale Aufgaben im Umgang mit dem streng geschützten Biber. Beide sind Absolventinnen des Masterstudiums „Wildtierökologie und Wildtiermanagement“ an der Universität für Bodenkultur Wien und auf Wildtiere mit Konfliktpotenzial spezialisiert.

Ein Schwerpunkt liegt auf Prävention und besserer Information. In über 70 Prozent der Fälle reichen einfache Maßnahmen wie das Absenken von Dämmen oder der Einbau von Drainagerohren aus, um Probleme nachhaltig zu entschärfen.

Gefördert werden insbesondere:

  • Baumschutzgitter und Elektrozäune,
  • Drainagierungen und technische Lösungen im Wasserbau,
  • neue Maßnahmen wie Vergrämung und
  • individuelle Lösungen für besonders betroffene Standorte.

Begleitend wird eine Informationsbroschüre für Gemeinden erarbeitet, die Best-Practice-Beispiele bündelt. Im Bereich landwirtschaftlicher Flächen, die von Überschwemmungen betroffen sind, wird zudem über Förderungen sowie Möglichkeiten der Verpachtung oder des Verkaufs informiert.

„Der Biber leistet einen wichtigen Beitrag zur Renaturierung, zur Artenvielfalt und zum Wasserrückhalt in der Landschaft“, so Haider-Wallner. Gleichzeitig nehme man die Rückmeldungen aus den Gemeinden ernst. Ziel sei es, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und praktikable Lösungen vor Ort zu ermöglichen.

Einer pauschalen Freigabe zur Bejagung, wie sie in anderen Bundesländern diskutiert wird, erteilt Haider-Wallner eine Absage. Maßnahmen wie Dammentfernungen oder Eingriffe in die Population erfordern eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung, ausgenommen ist Gefahr in Verzug.

Das Bibermanagement folgt einem dreistufigen Ansatz:

  • Prävention durch Information, Beratung und Schutzmaßnahmen.
  • Eingriffe in den Lebensraum, etwa Dammabsenkungen oder Drainagen.
  • Eingriffe in die Population als letztes Mittel unter strengen Auflagen

„Eine pauschale Bejagung wäre kein nachhaltiger Lösungsansatz“, stellte Haider-Wallner klar. „Biberpopulationen regulieren sich selbst – und wo Tiere entnommen werden, siedeln sich bald neue an.“

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