Chronik | Burgenland
11.12.2018

Bahnhof Parndorf: 14 Millionen, aber kein WC für 4000 Fahrgäste

Ab April 2019 wird der Bahnhof in Parndorf in neuem Glanz erstrahlen – allerdings ohne sanitäre Einrichtungen.

Neue, geschlossene Warteräume, großzügige Glaselemente und Holzflächen, ein 72 Meter langes Bahnsteigdach – die Liste der Neuerungen, mit denen der Bahnhof in Parndorf im Zuge der seit Februar laufenden Generalsanierung ausgestattet wird, ist lang. Nur eines wird man nach der für April 2019 geplanten Eröffnung vergeblich suchen: eine Toilette.

Auf diese sanitäre Einrichtung wurde nicht etwa vergessen – entsprechende Räumlichkeiten wurden gar nicht erst eingeplant, sagt ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif: „Laut Ausstattungskriterien ist die Errichtung eines WCs am Bahnhof erst ab einer Frequenz von täglich 8000 Ein-/Aussteigern vorgesehen, Parndorf kommt derzeit auf 2000 bis 4000 Personen pro Tag. Die Haltestelle Parndorf Ort ist in erster Linie ein Nahverkehrsbahnhof für PendlerInnen und SchülerInnen. Die ÖBB bieten ein dichtes Zugsangebot mit kurzen Intervallen, das bedeutet für die Fahrgäste nur kurze Aufenthalte im Bahnhof. Wir haben modernes Wagenmaterial im Einsatz – das heißt, Toiletten sind in jedem Nahverkehrszug, der im Bahnhof hält, vorhanden." Man habe angeboten, WCs zu errichten, die Kosten von 350.000 Euro hätten aber vom Land oder von der Gemeinde getragen werden müssen.

Für Bürgermeister Wolfgang Kovacs von der Liste Parndorf kommt das nicht infrage: „Das verlangt der Billa ja auch nicht von uns. Die ÖBB verdienen an den Fahrgästen, also sollen sie auch zahlen.“ Kovacs gibt ebenso wie ÖVP-Landtagsabgeordneter Rudolf Strommer zu bedenken, dass die dynamische Entwicklung in der Region weitergehen wird: „Da baut man einen neuen Bahnhof und denkt nicht voraus.“ Ähnlich im Fall der Parkplätze, sagt Strommer: „Der Verkehrsknotenpunkt Parndorf wird immer wichtiger. Die Aufstockung um 50 Parkplätze auf 476 ist zuwenig.“ Was das betrifft, sei eine zweite Ausbaustufe in Vorbereitung, sagt ÖBB-Sprecher Seif: „Mittel- bis langfristig gibt es Potenzial für 300 weitere Stellplätze. Im Zuge dessen sind auch weitere Projekte mit Land und Gemeinde geplant.“