Aussteiger: "Es geht um’s Leben"

Nach Burn-out wagte das Ehepaar Weber den Neustart. Dieser gelang in St. Michael mit einer kleinen Landwirtschaft.

Den Ausstieg wagen, den Neustart forcieren, ein selbstbestimmtes Leben führen. Für viele oft nur ein heimlicher, aber unerfüllter Traum. Für Gerhard und Ingrid Weber jedoch Realität. Seit 2007 sind die beiden in St. Michael, Bezirk Güssing, ansässig.

Dem Schritt ins Südburgenland ging ein markantes Ereignis voran: Bei Gerhard Weber wurden Burn-out und Herzprobleme diagnostiziert. "Ich habe lange Jahre als Maschinenbautechniker in einer großen Wiener Firma gearbeitet", erzählt der 54-Jährige. "Eigentlich habe ich immer geglaubt, dass ich dort in Pension gehen werde." Doch mit dem Wechsel in der Chef-Etage habe sich nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch der Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert.

Kraft

Als Wink des Schicksals wird eine Erbschaft im Südburgenland gedeutet – Gerhards Eltern stammen aus Deutsch Tschantschendorf. Die 7500 Quadratmeter große Wiese soll genutzt werden, aus dem niederösterreichischen Arbesthal, Bezirk Bruck an der Leitha, wird übersiedelt. Treibende Kraft sei seine Frau gewesen, betont Gerhard Weber. "Irgendwie geht es sich immer aus", erklärt Ingrid Weber, früher Flugbegleiterin, heute als Hortleiterin in St. Michael tätig.

"Zunächst haben wir alles durchkalkuliert, bis zur Pension sollte es sich ausgehen. Ich bin Privatier, liege dem Staat also nicht auf der Tasche", stellt Gerhard Weber fest. Mit einer kleinen Landwirtschaft als Zuverdienst, jedoch nichts großes, denn das würde wieder den Rückfall in alte Zeiten inklusive Stress bedeuten. "Zu einem Drittel können wir uns mit Fleisch und Gemüse selbst versorgen", schildert das Ehepaar.

50 Kaninchen werden pro Jahr verkauft, "die Leute rennen uns wegen dem guten Fleisch die Türe ein", hinzu kommen 2000 Hühnereier,  auch Imkerei wird betrieben, 110 Kilogramm Honig fanden 2011 Abnehmer. Zudem werden Gemüse (Kartoffeln, Kürbisse, Spargel) und Obst (Erdbeeren, Äpfel) selbst gezogen.

Spaß

Für 2012 gibt’s konkrete Pläne: Das Wachtel-Projekt soll forciert, zudem Mohn am bisherigen Kartoffelacker angebaut werden. Eine Tauben- und Gänsezucht ist im Gespräch, der Platz dazu wäre vorhanden.

"Natürlich gibt es auch Rückschläge zu verkraften, aber ich habe diesen Schritt nie bereut. Ich bin viel in der Natur, die Arbeit macht Spaß", versichert Gerhard Weber. Innerhalb eines Jahres habe sich sein Gesundheitszustand verbessert. "Es geht nicht um’s Finanzielle, es geht um’s Leben."

www.bauernhofweber.blogspot.com

( Kurier ) Erstellt am 01.02.2012