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Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
02/10/2020

Leopold Pusser: Seit 30 Jahren im Dienste der Menschlichkeit

Der 75-jährige Eisenstädter versorgt bedürftige Kinder in Rumänien mit Geld und Sachspenden.

von Stefan Jedlicka

Es waren Bilder von Kindern, die unter ärmsten Bedingungen in einem rumänischen Kinderheim leben mussten, die das Leben von Leopold Pusser verändern sollten. Vom Elend tief betroffen, beschloss der Eisenstädter im Jahr 1990, zu helfen. Seither fährt er unermüdlich mit Hilfslieferungen nach Ilisua und Teaca in Siebenbürgen, wo rund 100 Kinder untergebracht sind, deren Eltern nicht für sie sorgen können. Fast 600.000 Kilometer hat Pusser in den letzten 30 Jahren so bereits zurückgelegt.

Hilfe statt Urlaub

Im Waisenhaus in Ilisua leben derzeit 70 Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren, weitere 30 in Teaca. Der 75-jährige Eisenstädter bringt ihnen mit seinem Kleinbus Lebensmittel, Kinderbekleidung und Spielsachen. 294 Mal ist er bereits nach Rumänien gefahren. Heute, Sonntag, startet er zu seiner 295. Fahrt. „Diesmal ein bisschen später als geplant, weil ich krank war“, erzählt er.

Der pensionierte Rotkreuz-Mitarbeiter hilft gemeinsam mit anderen Burgenländern. Viele unterstützen ihn in Form einer monatlichen Patenschaft. Von Firmen erhält er Sachspenden. Familie Pusser verzichtete jahrelang auf ihren Urlaub und holte jeden Sommer eine Gruppe rumänischer Kinder zu sich. In all den Jahren habe sich die Situation in Rumänien zumindest verbessert, erzählt Pusser. „Früher waren alle gleich arm, heute gibt es einen Mittelstand und Neureiche. Am ärmsten sind die Pensionisten.“

Schule eingerichtet

Unterstützung vor Ort erhält er vom Lions Club Bistrita. Sogar den Bau einer Schule für die Kinder konnte man so bereits in die Wege leiten. In einer ehemaligen, staatlichen Lungenheilanstalt, die aufgelassen wurde. „Dadurch können die Kinder direkt am Gelände des Heimes unterrichtet werden und ersparen sich einen Transport.“ Geldspenden österreichischer Lions – etwa aus Eisenstadt und St. Pölten – werden an den lokalen Club übergeben. „Die kaufen damit dann Fleisch für die Kinder“, berichtet Pusser, der jeweils einige Tage in Rumänien verbringt, ehe er sich wieder auf den Heimweg macht. „Ich habe ja inzwischen einen deutschsprachigen Bekanntenkreis in Siebenbürgen“, sagt er.

Sowohl der Bezirk Bistrita, als auch die Stadt Teaca haben ihn bereits zum Ehrenbürger ernannt. Passiert sei ihm auf seinen Rumänien-Reisen nie etwas, sagt er. „Nur ein einziges Mal in Ungarn wurde ich auf einem Parkplatz abgelenkt, als mich jemand nach dem Weg gefragt hat. Und inzwischen haben sie mir aus dem Auto Geld, meine Kamera und mein Handy gestohlen.“

Einsatz für Flüchtlinge

In Rumänien helfe ihm wohl sein Wunschkennzeichen „Teaca 1“, vermutet der Eisenstädter. „Deswegen glauben sie, ich bin ein Rumäne, der in Österreich arbeitet.“ Die beschwerliche Fahrt mache ihm nichts aus. „Ich mache drei Mal Pause, dann geht das schon“, sagt er.Gemeinsam mit Helfern überbrachte Pusser auch dem Spital in Teaca schon medizinische Hilfsmittel, hat beim Bau des Krankenhauses mitgeholfen. Mit Unterstützung des Roten Kreuzes kaufte er einen gebrauchten Krankenwagen – das Jugend-Rotkreuz stellte Winterreifen zur Verfügung, das Rote Kreuz von Eisenstadts deutscher Partnerstadt Bad Kissingen eine Trage.

Geholfen hat der Eisenstädter aber auch bei der Fluchtwelle im Sommer 1989, als der Eiserne Vorhang fiel und Menschen aus der ehemaligen DDR nach Österreich kamen. Gemeinsam mit Bekannten brachte Pusser Hunderte Flüchtlingen über die Grenze, bis sie selbst im Wald bei Fertörákos festgenommen wurden. Dank seiner Unbescholtenheit fasste Pusser nur ein Jahr Einreiseverbot nach Ungarn aus. Sein Einsatz für Not leidende Menschen blieb ungebrochen. Als Mitarbeiter im Rotkreuz-Gebäude in Eisenstadt betreute er Flüchtlinge, die in einer zur Verfügung gestellten Wohnung für einige Tage untergebracht waren, bevor sie die Weiterreise in die Bundesrepublik Deutschland antraten.

Einfache Verhältnisse

Angefangen hatte sein humanitärer Einsatz beim Roten Kreuz. Im Jahre 1980 half er nach dem Erdbeben im italienischen Salerno beim Wiederaufbau der Häuser.

Mit bewundernswerter Bescheidenheit nimmt er die Strapazen der Hilfsfahrten auf sich. Selbst in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, könne er die Freude der Kinder gut nachvollziehen, sagt Pusser. Sein Vater war im Krieg gefallen. „Die Mutter musste viel arbeiten, ich war bei den Großeltern und bekam die abgetragenen Sachen von anderen Familien. Wenn im Winter alle Kinder Schlitten fahren waren, musste ich warten, bis mich jemand mitfahren ließ“, erzählt der Helfer.

 

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