Sportlich unterwegs: Krebshilfe-Geschäftsführerin Andrea Konrath (3. v. li.) nahm natürlich auch an der „Pink Ribbon“-Wanderung in Moschendorf teil

© Michael Pekovics

Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
01/18/2020

Andrea Konrath: „Arbeit hat mich dankbarer gemacht“

Andrea Konrath, Geschäftsführerin Krebshilfe Burgenland, über Vorsorgemaßnahmen und Hilfe für Betroffene und Angehörige.

von Stefan Jedlicka

Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die „Pink Ribbon“-Veranstaltungen oder das jährliche Benefizkonzert macht die Krebshilfe Burgenland regelmäßig auf sich aufmerksam. So wichtig derartige Initiativen für die großteils spendenfinanzierte Organisation auch sind, die eigentliche Arbeit geschieht doch wesentlich unspektakulärer. „Wir bieten Patienten und Angehörigen Beratung und Begleitung in jeder Hinsicht“, sagt Geschäftsführerin Andrea Konrath. Ebenso großes Engagement gelte aber auch der Vorsorge, um die Zahl der Krebsneuerkrankungen möglichst gering zu halten.

„Stress und Angst“

Wichtiges Standbein sei jedenfalls die psychologische Unterstützung für Betroffene. „Die Erkrankung verursacht meistens Stress und Angst“, weiß Konrath. Hier stehe ein Team von Psychologen und Psychotherapeuten Betroffenen zur Seite. Auch bei der optimalen Rehabilitation werden Patienten unterstützt. Außerdem gelte es, eine Reihe organisatorischer Angelegenheiten zu regeln. „Wie lange kann ich Krankenstand beanspruchen, wie gehe ich mit einem Antrag auf Behindertengeld oder anderen Formalitäten um?“, nennt die Geschäftsführerin als Beispiele.

Auch diätologische Beratung ist für Betroffene wichtig, weil die Ernährung während einer Krebstherapie eine entscheidende Rolle spielt. Und es ist möglich, bei Ärzten der Krebshilfe eine Zweitmeinung zur Diagnose einzuholen. Im ehrenamtlich tätigen Vorstand sind mehrere Onkologen vertreten. Konrath selbst ist Psychologin und Psycho-Onkologin.

Speziell für Kinder wurde das Projekt „Mama/Papa hat Krebs“ ins Leben gerufen. „Weil Kinder sofort merken, dass etwas nicht stimmt, auch wenn ihre Eltern ihnen nichts sagen wollen, um sie zu schonen“, betont Andrea Konrath. Hier seien speziell geschulte Therapeuten im Einsatz.

Finanzielle Hilfe

Neben einer jährlichen Unterstützung durch das Land Burgenland sind Spenden die wichtigste Finanzierungsform der Krebshilfe. Damit wird unter anderem ein finanzieller Soforthilfefonds gespeist, der in Notfällen – verursacht durch langen Krankenstand, hohe Selbstbehalte oder Rezeptgebühren – nicht rückzahlbare Unterstützungen gewährt. „Einmal im Jahr helfen uns außerdem Schüler mit einer Sammelaktion für die Krebshilfe und wir laden zu einem Benefizkonzert ein – heuer am 19. April im Kulturzentrum Güssing“, lädt die Geschäftsführerin zur Unterstützung ein.

Vorsorge wichtig

Im Bereich der Krebsvorsorge macht Konrath auf die Wichtigkeit regelmäßiger Untersuchungen aufmerksam. Früherkennung sei die größte Chance, eine Erkrankung zu überleben. „Wir haben im Burgenland eine Kampagne für Darmkrebs-Vorsorge, weil dieser am besten zu vermeiden ist. Auch die Prostata-Vorsorge bei Männern ab 45 Jahren und Muttermal-Kontrollen im Kampf gegen Hautkrebs sind wichtig“, betont sie.

Bis 31. März läuft eine Aktion zur HPV-Impfung. Der Impfstoff wird um 143 statt 205 Euro zur Verfügung gestellt, die ersten 333 Schüler, Lehrlinge und Studenten mit Hauptwohnsitz im Burgenland erhalten zusätzlich eine Förderung der Krebshilfe. Näheres unter www.krebshilfe-bgld.at

Aber auch die richtige Ernährung spiele eine wesentliche Rolle. „Der Lebensstil hat nachweislich bis zu einem Drittel Auswirkungen auf die Krebs-Entstehung“, so Konrath. So sei der Verzehr von Fleisch auf zweimal pro Woche zu beschränken, weißes Fleisch sollte bevorzugt werden: „Ideal wäre wenig Zucker, wenig Fett, viel regionales und saisonales Gemüse, selbst gekocht. Keine Fertigprodukte oder Fast Food.“

Raucherentwöhnung

Außerdem kommen regelmäßiger Bewegung (dreimal pro Woche mindestens 20 Minuten) und natürlich dem Verzicht auf Nikotin entscheidende Bedeutung zu. Die Raucherentwöhnung versucht die Krebshilfe durch Unterstützungsprogramme zu fördern. Und zwar nicht nur für Patienten, sondern für alle, die auf den blauen Dunst verzichten möchten.

Unternehmen bietet man Beratung, um Führungskräfte und Kollegen beim richtigen Umgang mit der Krebserkrankung eines Mitarbeiters zu unterstützen. Es gibt Kochkurse oder spezielle Schminkkurse für betroffene Frauen.

Nur zwei hauptamtliche Mitarbeiter sind für die Krebshilfe Burgenland tätig. Dazu eine Vielzahl an freiwilligen Helfern bei Veranstaltungen im ganzen Land. „Und es arbeiten rund 20 Therapeuten je nach Bedarf auf Honorarbasis für uns“, erzählt die Geschäftsführerin, die seit zehn Jahren im Amt ist. „Besondere Freude macht mir die Kombination aus Geschäftsführung und Patientenarbeit, um die Organisation laufend an die Anforderungen anpassen zu können“, sagt sie – räumt aber ein, dass die Arbeit psychisch herausfordernd sein kann. „Vor allem wenn man Patienten länger betreut und auch nicht positive Krankheitsverläufe miterleben muss. Letztlich hat mich das aber dankbarer gemacht und lässt mich bewusster leben.“